Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619360
Plastik. 
Die hellenische Periode. 
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Ruhebank, Sonnenschirm, Waschbecken, Lituus, Horn, Flöten und 
Kithara. In den Reliefs des anderen Sarges aber war für die eigentlich 
etrurischc Auffassung durch die gewählten Darstellungen keine Gelegen- 
heit geboten. Denn Amazonenkampf und heroische Kämpfe von nack- 
ten Jünglingen zu Pferd und zu Fuss gaben zu realistischer Behandlung 
keinen Raum._ Sie erscheinen daher fast ganz griechisch, aber unge- 
schickt und äusserlich und berechtigen durch ihre genaue Nachahmung 
hellenischer Figuren, wie durch ihre Compositionsgebrechen zu der von 
Brunn aufgestellten Vermuthungz. dass die etruskischen Künstler nicht 
blos einer Art von Vorlagenbücher sich bedienten, aus welchen sie 
hellenische Compositionen copirten, sondern auch, wenn sie einen Ge- 
genstand "darzustellen hatten, für welchen sie kein ganzes Vorbild be- 
sassen, einzelne Gruppen aus verschiedenen Vorlagen zusammen- 
setzten. In dem von zwei Löwen angegriffenen Stier und dem von 
zwei Greifen zerfleischten Pferde aber, wie diess die beiden Schmal- 
seiten desselben Sarges zeigen, möchte ich eher noch eine Nachwir- 
kung nicht blos orientalischer Motive sondern selbst asiatischen Styles 
erkennen. 
Die Terracotten dieser Zeit zeigen dieselbe hellenische Richtung, 
aber in gleicher Aeusserlichkeit und Beziehung auf Spatgriechisches. S0 
namentlich die Stirnziegel eines volsinischen Sarkophags (M. d. Inst. 
VI. tav. 72. Brunn) und in sehr reicher Vertretung die vorwiegend Nord- 
etrurien (Volterra, Clusium und Perugizl) angehörenden Urnen, welche 
jedoch auch in Alabaster, Tuff und Travertin (Perugia) vorkommen und 
die jüngste Periode 150-100 v. Chr. repräsentiren. Fanden wir schon 
auf dem letztbeschriebenen Sarge griechische Darstellungen, so erschei- 
nen diese jetzt als Regel, wenn auch eine gewisse Vorliebe für einzelne 
zu genauerer Kenntniss gelangte Mythenkreise nicht zu verkennen und 
einheimische Zuthat zu bemerken ist. 
Von jüngeren Bronzewerken, der gravirten Zeichnungen an Cisten 
und Spiegeln, wovon unten gehandelt werden soll, nicht zu gedenken, 
tritt als das bedeutendste statuarische der sog. Mars aus Todi im Vatican 
auf, der allerdings nach der Inschrift umbrisch ist, aber hieher gehört, 
wenn wir festhalten, dass die Bezeichnung MEtTUYlSClICYa Kunst zu eng und 
diese richtiger den Namen der ))ltZ1llSCl'1C11c( oder wenigstens vmittelitali- 
schenu tragen sollte. Tüchtig in allem Detail und allenthalben bereits 
später-n hellenischen Styl verrathend erscheint er doch ohne organisches 
Verständniss, ungefüge und schwerfallig. Aehnlich sind andere Krie- 
gerstattlen (Micali, Mon. in. 12. u. Ant. Mon. 39) ; der Knabe mit der 
Ente im Museum zu Leyden aber wurde trotz seines trockenen Gesichts
        

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