Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619257
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Etrurien. 
wahrscheinlich nur an den Langseiten  sehr weit, nemlich um ein 
Viertel der Säulenhöhe vor, noch weiter die Sparrenlage und mit dieser 
die Sima, wodurch der Giebel", selbst bei sehr niedrigem Satteldach, 
sich namhaft vergrösserte. Dieser mochte durch plastische Auszierung 
des Giebelfeldes, wie durch Thon- oder Bronzeakroterien, von welchen 
allerdings die gerippeartige Beschreibung Vitruvs schweigt, die jedoch 
aus mehren Notizen wie auch aus den Felsengräbern von Norchia zu 
ergänzen sind, einigermassen gewinnen, doch dürfte dadurchder Ein- 
druck des Gespreizten, Plattköpfigen, Niedrigen und Breiten, den schon 
Vitruv am tuskischen Tempel beklagt und der sich auch aus der Restau- 
ration desselben nach vitruvischerTheorie (Fig. 207) ergibt, nicht gehoben 
worden sein. Eigentlich monumental aber konnte der etrurische Tem- 
pel nicht werden, so lange er in so wesentlichen Bestandtheilen bei dem 
Holzbau verblieb, und dieser scheint auch Wirklich niemals aufgegeben 
worden zu sein, da der unmittelbare griechische Einfluss erst bei den 
Römern zum Durchbruch kam. Wie aber dieser die etrurische, bezie- 
hungsweise mittelitalische Grundform alterirte, werden wir in der 
römischen Architektur finden, welche sich als die Vermittlung der etru- 
rischen mit der hellenischen Kunst darstellt. 
Das etrurische oder altitalische Wohnhaus musste in einem sei- 
ner Hauptbestandtheile, nemlich dem Hofe, schon bei Behandlung der 
Gräber berührt werden. Wie nemlich in der hellenischen Architektur, 
so bildet auch hier der Hof den Mittelpunkt und Hauptraum des Wohn- 
baues, um welchen sich die ganz gedeckten Nebenräume oder Gemä- 
cher, an Dimensionen und Bedeutung untergeordnet, gruppirten. Wenn 
aber der Hof der vorwiegende Aufenthaltsort sein sollte, so genügte in 
den nördlichen Apenninen jene theilweise Bedeckung nicht mehr, wie 
sie das griechische Peristyl zeigt; denn diesen ist anhaltender Regen, 
Schnee und empfindlicher Winterfrost nicht so fremd, wie den Land- 
schaften am Pentelikon und Mäander. Das Hypäthron musste sich ver- 
ringern, und die Einwirkung von Niederschlägen und Kälte mehr ab- 
gewehrt werden, als diess der herrliche Himmel Griechenlands nöthig 
zu machen schien. Das italische Atrium oder Cavadium gewann da- 
durch eine wesentlich andere Gestalt als der griechische Hof. Verengerte 
man nemlich das Hypäthron zu einem verhältnissmässig kleinen Luft- 
und Lichtschlott, gross genug um den Herdrauch abzuführen und aus- 
reichendes Licht zuzulassen, so waren Stützen der zusammentreten- 
den Deckenbalken namentlich dann nicht nöthig, wenn die letzteren 
sparrenartig aufwärts gerichtet waren und sich gegen die Umrahmung 
des Hypäthrons stemmten. wie es in so anschaulicher Weise ein Grab
        

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