Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619116
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Hellas. 
schleifte, und ein anderer Kobold der Art, in den Panzer verkrochen, 
aus diesem Verstecke gleichsam auf die vorüberziehenden zu lauern 
schien. Kein Wunder, dass die anmuthige Composition nach der Schil- 
derung des Augenzeugen Lukiail auch moderne Künstler, den Raphael 
(Skizze in der Gallerie Borghese) und den Razzi "Farnesina), zur Re- 
production reizte. 
Von den übrigen Meistern der Zeit Alexanders des Grossen ist 
ausser dem Athener Asklepiodoros, von dem wir aber wenig mehr 
Wissen, als dass ihm Apelles in der Compositioxi den Vorrang einräumte, 
noch Theon von Samos zu nennen, bei welchem das Streben nach 
Effect bereits zum Bühnenmässigen ausgeartet und mehr auf Bühnen- 
illusion als auf Wirkliche gerichtet erscheint. Diess zeigt ausser Schau- 
derscenen, wie der Muttermord des Orestes und die Vernichtung des 
Kitharöden Thamyras, namentlich sein von Quintilian als Hauptwerk 
beschriebener Schwerbewaffnete, welcher allein im wüthendsten Ausfalle 
mit gezücktem Schwert dargestellt war und von dem Künstler überdiess, 
um den theatralischen Effect vollkommen zu machen, unter Trompe- 
tenstössen gezeigt wurde. Wenn man sich dabei an den sog. borghesi- 
schen Fechter des Agasias, den plastischen Vetter dieses Hopliten, er- 
innert, so wird man auch hier den Geist der Zeit nicht verkennen, wele 
cher, nachdem das Innere zerfressen war, sich ausschliessend an das 
Aeusserliche anklammernd und mit Verzicht auf wirkliche Wahrheit, 
welche hier nothwendig eine Gruppe voraussetzte, sich an einer thea- 
tralischen Scheinvorstellung und mimischen Klopffechterei lediglich zum 
Zweck einer technischen Bravouräusserung genügen liess. Man war 
damit an dem der polygnotischen Auffassung entlegensten Ende ans 
gelangt. 
Wie nun derHellenismus, mit welchem Namen man die Periode des 
seit Alexander vkosmopolitisch gewordenen Griechenthumsa (Helbig) 
zu bezeichnen pflegt, in der Plastik vorzugsweise von dem Gegebenen 
des vorausgegangenen Jahrhunderts zehrte, so geschah diess auch im 
Gebiete der Malerei. Man strebte nach Verbindung der gewonnenen 
Resultate, gewöhnlich in dem seichten Eklekticismus, welcher es unver- 
meidlich machte, dass unter den zahlreichen Malern dieser Decora- 
tionsperiode nur wenige ihren Namen auf die Nachwelt brachten. Am 
meisten leisteten noch die sikyonischen Meister, unter welchen die tüch- 
tige Tradition der Schule des Pamphilos noch nicht ganz erloschen war. 
Auch Protogenes hatte in Rhodos wie Antiphilos in Aegypten einige 
nicht unbedeutende Nachfolger. Den grossen Vorgängern aus der 
Alexanderzeit wurde aber höchstens Timomachos aus Byzanz eben-
        

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