Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619095
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Hellas. 
Polygnot die Parallele des Letzteren zu erkennen, erlaubt die Thatsache 
nicht, dass in Phidias die ideale Höhe gepaart war'mit vollendeter Tech- 
nik, deren die polygnotische Malerei noch nicht entfernt mächtig er- 
scheint. nln der Geschichte der Malerei,a sagt Brunn bezeichnend, vhat 
jedes dieser beiden Gebiete seinen gesonderten Mittel- und Höhepunkt, 
und der Ruhm, welcher dort den Phidias über alle Andern unbezweifelt 
erhebt, erscheint desshalb hier getheilt zwischen den beiden Persönlich- 
keiten des Polygnot und Apellesar 
Lässt sich schon Apelles nicht mehr als ein Glied der sikyonischen 
Malerschule behandeln, so tritt uns in demjenigen seiner Rivalen, wel- 
chen er selbst erwähntermaassen am meisten schätzte, ein Autodidakt 
oder wenigstens der Schüler eines unbedeutenden Meisters entgegen, 
nemlich in Protogenes aus Kaunos oder (seiner Thätigkeit nach) aus 
Rhodos. Der Anerkennung, welche ihm Apelles zollte, welcher ja sogar 
dessen Werke kaufen und dann als seine eigenen wieder veräussern zu 
wollen vorgab, steht auch der Anektodenkreis zur Seite, wie er jeden 
hochberühmten Mann zu umwölken pflegt. Wir dürfen freilich die 
Notiz, dass er den Jalysos viermal übermalte, um sein Werk dadurch 
mehr vor dem Verderben zu schützen, indem beim Abblättern einer 
Farblage die untere zum Vorschein kam, als Thorheit verwerfen, er- 
funden, um seine Sorgfalt zu documentiren, wie man diess auch mit den 
angeblichen sieben oder elf Jahren, welche der Heissige Meister an dem 
Jalysos gearbeitet haben soll, wollte, und so darf es auch als keine zu 
materielle Prosa betrachtet werden, wenn wir annehmen, dass er, wenn 
überhaupt der Notiz irgend eine Wahrheit zu Grunde liegt, desshalb 
sich mit Lupinen genährt habe, weil er bis zu seiner verhältnissmässig 
späten Anerkennung sehr arm war, und nicht aus Furcht, durch zu viel 
Wohlgeschmack die Kräfte seiner Sinne abzustumpfen. Er malte auch 
nicht Schiffe auf sein den Paralos und die-Hammonias (Personiflcation 
von athenischen Schiffen) darstellendes Propyläengemälde in Athen, 
weil er bis zum fünfzigsten Jahre mit dem Anstreichen von Schiffen sein 
Brod verdiente, sondern es entstand die thörichte _Sage vielmehr aus 
den dort passend vorkommenden Schiffen in Verbindung mit seiner 
kümmerlichen Jugend. 
Wir haben an Protogenes eine Vollendung zu vermuthen, wie sie 
nur die unermüdlichste Sorgfalt erreichen kann. Diese Vollendung ist 
aber so wenig auf der idealen Seite wie in der Composition zu suchen; 
denn die Gegenstände seiner Gemälde, von welchen wir nur Bildnisse 
heroischer oder historischer Art, höchstens in Gruppen von Wenigen 
Personen, ohne alle bewegtere Handlung kennen, waren an sich wohl
        

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