Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619021
Male: 
Die sikyonische und die thebaxmisch-attische Schule. 
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Schüler des letztgenannten etwas freier und schöpferischer gegenüber, 
nemlich Pausias. Schon seine Werke zeigen diess durch ihre Eigen- 
art, wie der an einem Tage gemalte Knabe, die Kränzewinderin als eine 
Art von Blumenstück, die Methe aus einer gläsernen Schale trinkend, 
deren Beschreibung an das erinnert, was wir unter Stillleben verstehen. 
Sein Stieropfer aber zeigte eine neue Meisterschaft, nemlich die der 
Verkürzung, indem der Stier von vorne dargestellt war und doch nach 
der Bemerkung des Plinius erkennen liess, wie lang er sei. Pausias war 
es auch, der zuerst in der Enkaustik Ruhm erwarb, in jener freilich 
schon früher bekannten Technik, von welcher wir nur wissen, dass die 
Farben mit Wachs gebunden und mit angeglühten Metallstäben in den 
Grund eingebrannt wurden, wobei die durch das Bindemittel des Wach- 
ses glänzendere durchscheinende und tiefere Färbung sich ebenso vor- 
theilhaft von der vorigen Temperamalerei unterschied, wie jetzt die 
freilich bequemere Oelmalerei vor jeder anderen Technik. Dass indess 
den Meister gewisse absonderliche Stoffe nicht dazu führten, weniger 
dem künstlerischen Ernst der sikyonischen Schule als dem Sinnen- 
reiz zu huldigen, beweisen unter anderen auch seine Schüler, von de- 
nen der hervorragendste, Nikophanes, als überaus sorgfältig, aber 
bei zu sehr dominirendem Braun in den Farben hart, und Aristo- 
laos, des Meisters Sohn, überhaupt als einer der strengsten Maler 
genannt wird. 
Ungefähr gleichzeitig mit dieser sikyonischen Schule erblühte aber 
eine zweite nicht minder bedeutende Malerschule erst in Theben, 
dann, als die Bedeutung dieser Stadt ebenso schnell wieder versiegte als 
Sie erwachsen war, in Athen. An der Spitze steht Nikomachos, 
des nicht weiter bekannten Malers Aristiaeos Sohn und Schüler, etwa 
bis 360 v. Chr. blühend. Obwohl acht Gemälde von ihm erwähnt wer- 
dßn, fehlt es doch über den Meister, der indess den grössten beigezählt 
Wird, an directen Urtheilen. Doch lässt sich im Gegensatze zu den 
ruhigen Paradearbeiten der Sikyonier aus den Stoffen auf mehr Erregt- 
heit und Bewegung schliessen, wie in dem Raub der Proserpina, der 
Nike mit dem emporeilenden Viergespann und in den von Satyren 
überraschten Bacchantinnen.  Sonst wird lediglich seine unübertroffene 
Schnelligkeit im Malen gerühmt, welche allerdings nur dadurch rüh- 
menswerth war, dass sie mit Genialität und ungewöhnlicher Sicherheit 
und Meisterschaft in Form und Technik gepaart erschien. Seinem 
Kunstcharakter nach fasslicher und wohl auch noch bedeutender tritt 
uns einer Seiner Schüler, Aristides, entgegen. Wenn bei irgend 
einem Meister die Stoffe seiner Gemälde nebst einer knappen Schil-
        

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