Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619012
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Hellas. 
bezeichnet, dass man in dem einen ein Familienbild und in dem anderen 
vOdysscus auf dem F lOSSa die Scene des Schiffbruchs vor der Phäa- 
keninsel mit der Erscheinung der Leukothea nur vermuthen kann, wäh- 
rend auch der Athenersieg bei Phlius nicht genau nachzuweisen ist. 
Wichtiger aber ist des Plinius Notiz, nach welcher Pamphilos wissen- 
schaftliche Ausbildung und namentlich in Mathematik und Geometrie 
der Künstlerthätigkeit für unentbehrlich bezeichnete, ebenso wie er das 
Zeichnen als zur Bildung gehörig mit Erfolg zum allgemeinen Lehrge- 
genstand höherer Schulen zu erheben strebte. Daraus musste eine ganz 
rationelle, wissenschaftlich begründete Kunstauffassting entstehen, eine 
Kunst, bei welcher es sich um Lehren und Lernen, um Verstehen und 
Wissen handelte; und dafür war auch der geeignete Boden Sikyon. 
Was dort für die Plastik etwas früher Polyklet gewesen war, dessen 
Proportionslehre sich in dem vKanonu verkörpert hatte, das wurde 
jetzt, bei grösserem Erfolge vielleicht in den Fussstapfen des Eupompos 
wandelnd, für die Malerei Pamphilos. Er war vorwiegend Lehrer, und 
zwar durch Wort, Schrift und Bild, und als solcher musste er vielleicht 
zum Nachtheil der freien künstlerischen Entwicklung dem Correcten 
nachgehen und zwar in Composition, Zeichnung und im Malen. Eine 
solche Richtung, welche auch der sikyonischen "Schule den Ruf der 
Chrestographie (Correctmalerei) erwarb, musste aber dem Kunstjünger 
am Anfang wie am Schluss seiner Lehrjahre entweder grundlegend oder 
säubernd und dämmend zu Gute kommen, und es war gewiss auch für 
Apelles von Vortheil, in Pamphilos' Schule seine Studienzeit beendigt 
zu haben. Wir müssen sie ferner auch der gesammten Entwicklung der 
griechischen Malerei als heilsam bezeichnen, wenn wir bedenken, wie 
starke Elemente von Ausartung schon in der Richtung eines Zeuxis und 
Parrhasios enthalten waren, deren Entfaltung bei den Nachfolgern durch 
den Zügel der sikyonischen Schule noch geraume Zeit zurückgehalten 
wurde. Mochte indess Pamphilos sein Augenmerk vorzugsweise erst 
auf die correcte Durchführung des Einzelnen und namentlich, sich an 
Polyklet anschliessend, der menschlichen Gestalt gerichtet haben, so 
finden wir in seinem Schüler Melan thios schon den Meister der Com- 
position. Diess scheint jedoch dem Charakter der ganzen Schule ent- 
sprechend weniger von der grossentheils zur Erfindung gehörigen Wahl 
der Situation und des Handlungsmomentes in einem dargestellten Vor- 
gang als vielmehr in rein formalem Sinne, nemlich von der Composition 
als Eintheilung und Gliederung in Rücksicht auf Raumverhältnisse und 
Gleichgewicht zu gelten. 
Diesen mehr doctrinaren Künstlererscheinungen stellt sich ein Mit-
        

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