Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618994
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Hellas. 
jeder Figur eine von den genannten Eigenschaften ausgeprägt war. 
Von grosser psychologischer Bedeutung muss das den erheuchelten 
Wahnsinn des Odysseus darstellende Gemälde gewesen sein, wie auch 
Prometheus, Philoktet auf Lemnos, oder Telephos. Wie aber schon da- 
durch Parrhasios sich über Zeuxis stellte, so geschah diess nicht minder 
durch die correctere sorgfältige Zeichnung und durch die technischen 
Fortschritte in der Kunst, worauf doch auch bei ihm das Schwergewicht 
lag. In dieser Beziehung berichtet Pliniils dem Sinne nach ungefähr 
also: "Nach dem Urtheile der Künstler leistete Parrhasios das Höchste 
in der Figurenbegränzung. Es ist nenllich sonst selten gelungen die 
Körperränder der wirklichen Erscheinung entsprechend zu bilden und 
auslaufen zu lassen; denn das Farbenende am Contour muss sich ab- 
runden und so verlaufen, dass es auch die weitere Formbildung rück- 
wärts ahnen und auch auf das Nichtmehrsichtbzlre schliessen lässt." Ich 
fasse demnach die Sache so, dass mit ihm die Illusionswirkung vom 
Reliefartigen bis zum Runden sich steigerte, wodurch erst die Gestalten 
vom Grunde sich ablösen, und dass er die Unterschiede sich klar machte, 
welche z. B. dem Beschauer an einer Kugel, von der doch auch nur 
eine Hemisphäre gesehen werden kann und an einer Halbkugel entge- 
gentreten. Dadurch erst wurde, von der, wie wir bei Euphranor sehen 
werden, noch keineswegs untadelhaften Farbe des Parrhasios wenig be- 
einträchtigt, die Illusion eine vollkommenere, weil erst dadurch Bewe- 
gungsfahigkeit in die vheraustretendena Gestalten kam. Des Zeuxis 
Trauben bedurften dieser Bewegungsfähigkeit nicht, um die Vögel an- 
zulocken, während ihrer der dazu gemalte Knabe bedurft hätte, um die 
Vögel abzuschrecken. Diese Bewegungsfähigkeit durch den Schein des 
Runden und des vom Grunde sich Ablösens besass aber des Parrhasios 
Vorhang und konnte daher selbst den Künstler (Zeuxis) tauschen, der 
ihn als einen vermeintlich wirklichen von der Tafel wegzuziehen im Be- 
griffe stand. 
Wenn sich sogar der stolze Rivale Zeuxis vor diesem Argument 
gebeugt haben soll, so kann es uns nicht befremden, dass ein solcher 
Erfolg den Parrhasios hinriss, seinen besiegten Rivalen auch an Ueber- 
muth überbieten zu wollen, der endlich so weit ging, dass er sich ausser 
andern Thorheiten für einen Sprössling des Apollo erklärte und als 
König der Kunst ein Diadem mit goldenem Kranz nebst dem Purpur- 
mantel trug, freilich nicht ohne durch den Beinamen Habrodiaitos (der 
Hochlebende), welchen er sich zulegte, den Spottnamen Rhabclodiaitos 
(Pinselrnann) zu ernten. 
Auch 
Parrhasios 
wurde 
VOIl 
einem 
Zeitgenossen 
Jüngeren 
über
        

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