Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618953
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Hellas. 
von welchen der erstere die strenge Sorgfalt seines Vorbildes Polygnot 
bis zur Mühsamkeit gesteigert zu haben scheint, die natürlich. wie 
unter den Plastikern bei Kallimachos, der Anmuth sowohl als der 
Grossartigkeit seiner Werke Abbruch that, während der arme Pauson, 
einem Bilffalmacco unter den Giottesken vergleichbar, für Spott und 
Hohn Ambos und Hammer zugleich, von Aristoteles sogar als ein 
Künstler bezeichnet, dessen Werke als- alles Ethos bar für jugendliche 
Beschauer geradezu schädlich wären, für Aufgaben grösseren Styls nicht 
geartet war und sie auch nicht suchte. 
Von den bedeutenden übrigen Meistern dieser Zeit scheint Kalli- 
pho n am meisten in Polygnofs Fussstapfen getreten zu sein, während 
des Thasiers Bruder Aristophon, welcher die Tafelmalerei in Auf- 
nahme brachte, sich wenigstens technisch in Gegensatz zu jenem stellte. 
War aber schon dadurch die polygnotische Kunstrichtung in Bezug auf 
Material und Raum aufgegeben, so geschah diess auch in der eigent- 
lichen Maltechnik durch den Samier Agatharchos, welcher als 
Autodidakt von der Decorations- und Scenenmalerei ausging und 
in einer eigenen Schrift über Skenographie die Principien anbahnte, 
nach welchen sich nach ihm die Malerei weiter entwickelte. Das der 
Bühnenmalerei unentbehrliche Streben nach illusorischem Effect 
musste zur Beobachtung und Nachahmung der Einwirkungen stärke- 
ren oder geringeren Lichts, wie schwächeren und tieferen Schattens 
auf die Grundfarbe und so auf eine Entwicklungsstufe der Malerei füh- 
ren, welche sonst noch von keinem Volke des Alterthums betreten 
worden war. 
Derjenige, welcher den wichtigen Schritt, den Agatharchos in der 
Skenographie andeutete, wirklich und erfolgreich in der nZographiea 
(Figurenmalerei) machte, war Apollodoros von Athen. Von seinen 
Werken haben wir nur dürftige und zum Theil unverständliche Nach- 
richten, doch sagt Plutarch deutlich, dass er das Vertreiben der Farben 
ineinander und die Einwirkung des Schattens auf dieselben erfunden 
habe, und Plinius nennt ihn den ersten Maler des Scheins (der Illusion). 
Erfinder der Neuerung im strengen Wortsinne war er zwar nicht, da 
Agatharchos ihm voranging; und wenn er bezeichnend den Beinamen 
Skiagraphos (Schattenmaler) erhielt, so ist zu bedenken, dass die Be- 
zeichnung Skiagraphie sogar als identisch mit Skenographie gebraucht 
wurde. Allein er war der Erste, welcher jenes Princip auf die Figuren- 
malerei anwandte und an dieser das Verfahren neu erfinden musste, 
welches bei den Architekturen, wie sie die Bühne vorzugsweise ver- 
wandte, mit ihren scharfrandigen linearen Schatten- und Lichteffecten
        

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