Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618927
Malerei 
An f än ge. 
Polygnot. 
351 
Ungefähr gleichartig, künstlerisch bedeutungslos, wesshalb es auch ent- 
behrlich erscheint, sich über den Volksstamm, von welchem die An- 
regungen ausgegangen sein möchten, Muthmaassungen hinzugeben. 
Noch weniger aber haben Künstlernamen, welche fälschlich mit der 
Erfindung zusammengestellt werden, wie Kleanthes, Aridikes und 
Ekphantos von Korinth, Telephanes und Kraton von Sikyon, Saurias 
VOn Samos irgend einen Werth, wenn nicht vielleicht aus dem Um- 
Stande, dass von Korinth und Sikyon mehre genannt werden, ge- 
schlossen werden will, dass die alte decorative Malerei (nach chrono- 
lOgischer Wahrscheinlichkeit vor O1. o0 [530 v. Chix] ) vorzugsweise in 
diesen Städten im Schwunge gewesen sei. 
Auch was Plinius über Eu maros von Athen berichtet, berechtigt 
noch nicht zur Annahme eines namhaften Aufschwunges, obwohl dieser, 
welcher Mann und Frau und auch sonst (also wohl in Bezug auf Alter 
Und charakteristische Eigenthümlichkeiten) die Figuren unterschied, 
Wenigstens jener Rohheit ein Ende machte, welche in der Namens- 
überschrift über den sonst ganz gleichartigen Gestalten ihr Genügen 
fand. Bedeutender waren die Fortschritte seines Nachfolgers Kimon 
V0n Kleonae, welcher um 500-480 v. Chr. blühte, und nicht blos die 
Vorher sackartigen Gewande (Fig. 174) durch Falten und das Nackte 
Clurch reichlichere Detailzeichnung (Adern) gliederte, sondern auch das 
Auge, das vor ihm (wie an der genannten Figur) an den in Profil 
gegebenen Köpfen nach vorne sah, in die richtige Profilansicht setzte, 
und je nach Richtung des Blickes in die entsprechende Lage brachte, 
Wie überhaupt den Gesichtern Mannigfaltigkeit verlieh. Mit ihm beginnt 
daher erst die naturgemässe und correcte Zeichnung, in einer Zeit, in 
welcher die Plastik daran war, in Aegina, Athen, Sikyon und Argos 
die höchste Kunstv0llendung', wie sie sich durch Phidias vollzog, vor- 
Zubereiten. 
Je weiter aber die Malerei hinter der Plastik zurückgeblieben war, 
desto gewaltiger waren die Fortschritte, welche sie von der Zeit der 
Perserkriege an in zwei Menschenaltern auf eine der von der Plastik 
erreichten in ihrer Art wenig nachgebende Höhe brachten. Der erste 
namhafte Meister, den Wir aufzuführen haben, zugleich einer der grössten 
Künstler, die wir überhaupt kennen, förderte sie in dem Grade, dass 
man ihn den Begründer der Malerei als Kunst nennen kann. Es ist 
P Olygnotos aus Thasos, der Sohn des gleichfalls als Maler genannten 
Aglaophon, um 47 5_455 v. Chr. vorzugsweise in Athen blühend, wo 
er bei Kimon in hohem Ansehen stand und die grössere Zahl seiner 
Werke schuf. Von den vier Gemälden der Poikile (vgl. S. 250), deren
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.