Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618911
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Hellas. 
fordernde und gebende Zeugen hinterliessen, tritt uns das an monumenta- 
len Ueberresten völlig leere Gebiet der griechischen Malerei, ohne durch 
solch beredte Zeugen, wie sie sonst die übrig gebliebenen Kunstreste 
darbieten, die Prüfung, Läuterung, Ergänzung und Festigung zu em- 
pfangen, deren ihr Aufbau aus zerstreuten classischen Notizen so sehr 
bedurfte, mehr als eine Geschichte der Künstler wie der Kunst und 
gleichsam schemenartig entgegen. Wenn daher der hellenischen Malerei, 
die für uns ein entblätterter Baum ist, eine gedrängtere Behandlung an- 
gemessen erscheint, so darf daraus nicht geschlossen werden, dass sie 
den beiden andern Schwesterkünsten untergeordnet zu denken wäre; 
denn sie erreichte, was mit Unrecht bezweifelt zu werden pflegt, aber 
selbst dann anzunehmen wäre, wenn wir von ihr nichts kennen würden, 
als den fast maasslosen Ruhm ihrer ersten Meister, eine der hellenischen 
Architektur und Plastik analoge Höhe. 
Der Entwicklungsgang der Malerei der Griechen ist uns jedoch nicht 
in der Weise bekannt, wie der ihrer Plastik, und namentlich von ihren 
Anfängen, die mindestens so weit hinaufreichen wie die jener Kunst, 
und von welchen neuerlich Conze die ursprünglichsten in Thongeschirr- 
ornamenten nachgewiesen und als Lireinheimisch zu erklären versucht 
hat, haben wir keine sicheren Daten. Denn die Notizen, welche Plinius 
(XXXV. 15) uns darüber gibt, erscheinen mehr als eine nachträgliche 
Reconstruction der muthmaasslichen Entwicklungsstadien, welche in ganz 
unzuverlässiger Weise durch ältere Künstlernamen staffirt werden. Die 
ersten Stadien aber, wie die Erfindung des einfachen Schattenrisses un- 
ter Ausfüllung der umrissenen Figuren mit einer Farbe aus Ziegelmehl 
(monochromatische Malerei), waren von den benachbarten Völkern, den 
Mesopotamiern, Phönikiern und Aegyptern, welche ihre Umrisszeich- 
nungcn sogar bereits bunt ausfüllten, längst überwunden und die liVir- 
kung solcher Werke musste in Griechenland, selbst wenn die Hellenen 
keine Gelegenheit gehabt haben sollten, sie an den Monumenten dieser 
Länder zu sehen, doch durch Importartikel, von welchen schon bei 
Homer Geschirre und Gewebe erwähnt werden, bekannt sein. Mono- 
chromatisch bemalte Geschirre aber, wie sie in Hellas fortan im Ge- 
brauche blieben, scheinen ihre Urheimath an der syro-phönikischen 
Küste gehabt zu haben. Eine dunkle Erinnerung an die ebenso aus- 
gedehnte als uralte Farbenthätigkeit der Aegypter aber dürfte auch der 
Ueberlieferung des Plinius zu Grunde liegen, welche einen Aegypter 
(freilich mit dem griechischen Namen Philokles) als den Erfinder der 
Linearmalerei bezeichnet. Arbeiten der Art aber waren rein decorativ 
und, als den älteren griechischen Vasenmalereien (vgl. Fig. 172 und 174)
        

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