Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618869
Plastik. 
Die hellenische Renaissance in Rom. 
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namhafte griechische Künstler zur Herstellung und Auszierung seiner 
römischen Neubauten. 
Dadurch veränderte sich der Schauplatz und eine aussergriechische 
Stadt, Rom, wurde der Mittelpunkt erst des Kunstbesitzes und dann 
des Kunstbetriebes. Man könnte desshalb darüber streiten, ob das Fol- 
gende nicht füglicher dem Abschnitte über Rom beizufügen wäre; allein 
es bleibt zu bedenken, dass die Römer, welche übrigens auch ihre eigene 
italische Richtung, in griechischer Schule geläutert, nebenbei f0rtver- 
folgten, nach der hier zu betrachtenden Seite hin nur die kunstfreund- 
lichen Sammler und weiterhin Besteller waren, dass aber die hierin für 
Sie schaffenden Künstler durchaus Griechen und auch hellenischer Schule 
blieben, welches Verhältniss sich selbst nicht änderte, wenn sie in Rom 
arbeiteten und sogar in Rom an den unermesslichen dort angehäuften 
Werken lernten.  
Die römischen Grossen hatten sich aber bald nicht mehr damit be- 
gnügt, mit ihrer Kunstbeute Foren, Tempel und öffentliche Gebäude 
zu schmücken, indem die imperatorische wie proconsularische Stellung 
und immense Reichthümer Gelegenheit gaben, berühmte Werke mit 
Gewalt, auf dem Wege von Ehrengeschenken, oder durch Kauf in 
eigenen Besitz zu bringen. Diess veranlasste jene Kunstliebhaberei, 
Welche zum förmlichen Kunststudium, aber auch zu einer Sammelwuth 
führte, die jede neue Erwerbung zur Quelle gesteigerter Erwerbbegierde 
machte. Das Kunststudium erstickte jene Richtung, welche in aus- 
artender Weise das durch die Meister der Blüthezeit Geleistete zu über- 
bieten strebte, erkannte dieses als das ausschliessend Gute und V0ll-_- 
endete an und wies so die Kunst von selbst in gewissem Sinne reactionär 
auf diese Bahnen zurück. Die Sammelwuth aber beschränkte sich nicht 
auf die bereits vorhandenen Werke, sondern wollte von der zeitgenössi- 
Schen Kunst Ergänzung und zwar im Geiste des Gegebenen. Es kann 
 nicht behauptet werden, dass die Kunst, nachdem sie sich original er- 
schöpft und nach allen Richtungen ihre Ziele erreicht hatte, nicht auch 
von selbst reactionär geworden wäre; allein es ist unzweifelhaft, dass 
die römischen Verhältnisse einen wesentlichen Antheil an der Art und 
Weise, wie diess geschah, gehabt haben, und dass sie diese Renaissance 
(um diess freilich nicht ganz zutreffende Wort, welches für den viel ori- 
ginaleren Kunstaufschwung zu Ende des Mittelalters eingebürgert ist, 
dem allgemeinen Sinne nach zu gebrauchen) wesentlich befördert haben. 
Wenn es also galt, die verschiedenen Phasen der Kunstentwicklung 
neu zu beleben, so lag es in der Natur der Sache, nicht von vorne, bei 
den Anfangen zu beginnen, sondern vielmehr n1it dem Nächstliegenden,
        

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