Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618854
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Hellas. 
mehr nach vorne gewendet werden müsste. Wenn aber das Kunstwerk 
in Folge des Sieges von 27g v. Chr. entstand, zeigt es uns, dass man 
ein Menschenalter vor dem Siege des Attalos, wenigstens im eigentlichen 
Griechenland, in Götterbildern noch auf einer idealen Höhe stand, die 
bewunderungswürdig war, dass aber das Moment des Effectvollen sich 
bereits siegreich Bahn gebrochen hatte. 
Die angeführte Kunstthätigkeit stellt sich indess, beschränkt, wie 
sie wenigstens im originalen und besseren Sinne monumentalen Schaffens 
war, im Grossen und Ganzen dennoch nicht in Widerspruch mit der 
Angabe des Plinius, dass die Kunst vo_n der 121. bis zur 156. Olympiade 
aufgehört habe; denn die hauptsächlichsten Schauplätze, Pergamos und 
Rhodos, können uns doch nur mehr wie Asyle erscheinen, welche die in 
ihrer eigenen Heimath fast bodenlos gewordene höhere Bildnerei ge- 
funden. Wenn aber Plinius sagt, dass sie mit der 156. Olympiade 
(150 v. Chr.) einen neuen Aufschwung genommen, so war dieser jeden- 
falls der Art, dass er uns nicht zu dem Entzücken hinreissen kann, wie 
den römischen Berichterstatter. Wie Brunn bemerkt, stimmt das 
plinianische Datum mit jener Periode zusammen, in welcher in Rom 
die hellenische Kunst zur entschiedenen Herrschaft gelangt war. Nach- 
dem nemlich mittelbarer und mehr sporadischer griechischer Einfluss 
durch Etrurien und Unteritalien sich sehr früh bemerklich gemacht 
hatte, waren monumentale Kunsterzeugnisse Griechenlands in grösserer 
Menge doch kaum vor der Eroberung von Syrakus (212 v. Chr.) in Rom 
bekannt geworden. Von diesem Zeitpunkte an lieferten die römischen 
Triumphe Schlag auf Schlag eine fast erdruckende Masse von Kunst- 
werken, so dass sich die vorhandene Kunst der griechischen Colonien 
und Griechenlands selbst gleichsam in breitem Strome über Rom ergoss, 
wie wir diess, der Plünderung Capua's, Tarents und zahlreicher unter- 
italischer Griechenstädte nicht zu gedenken, beispielsweise aus den Be- 
richten über die Triumphe des Quinctius Flamininus, des Siegers von 
Kynos-Kephalae (197 V. Chr.), bei welchem der Einzug der Statuen 
einen ganzen Tag dauerte, oder des M. Fulvius Nobilior (189 v. Chr.), 
dessen westgriechische Beute nicht weniger als 515 Statuen enthielt, 
ersehen können, welchen Triumphen die des L. Cornelius Scipio des 
Siegers über Antiochus, des Aemilius Paullus des Perseussiegers, des 
Metellus Macedonicus und des durch "seinen barbarischen Kunstraub 
sprichwörtlich gewordenen Zerstörers von Korinth, Mummius, an Reich- 
thum der aufgeführten Kunstbeute mindestens gleichkamen. Dass end- 
lich auch die lebende Kunst den Triumphwagen der römischen Sieger 
folgte, ist nicht zu verwundern; Metellus verwendete bereits mehre
        

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