Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618820
Plastik. 
Die rhodische Schule. 
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dieselben einem Hirten zur Erziehung übergeben, wird sie von König 
Epopeus von Sikyon aufgenommen; des Nykteus Bruder und Nach- 
folger Lykos aber treibt die gehässige Verfolgung bis zum Kriege gegen 
ihren Beschützer. Sikyon wird zerstört und Antiope kehrt als Sklavin 
nach Theben zurück, Wo sie jedoch die Misshandlungen von Seite der 
Dirke, Lyk0s' Gemahlin, neuerdings zur Flucht auf den Kithäron 
nöthigen. Dort bei einer bakchischen Feier von ihrer Peinigerin wieder 
gefunden, soll sie für ihr Entlaufen die schreckliche Sühne geben, von 
einem wilden Stier zu Tode geschleift zu werden. Zethos und Amphion 
sind zur Ausführung des Befehls bereit, da kommt es zur Erkennung 
und die gerechte Rache verhängt nun das der Antiope zugedachte 
Schicksal über Dirke. Diesen Moment gibt die imposante Scene. Der 
Wüthende Stier wird nur noch mit Mühe von den rächenden Söhnen 
"gehalten, vergeblich umschlingt Dirke, ein vollendet schönes Weib, 
gnadeflehend die Kniee eines derselben, der andere ist bereit, sie in die 
Schlinge zu legen, an welcher sie im nächsten Augenblicke vom wilden 
Thiere Weggeschleift wird über das rauhe Terrain des Kithäron. Die 
Leidenschaft der räehenden Söhne, die Angst der Dirke machen das 
Werk hochpathetisch und ergreifend; eigentlich tragisch aber wirkt es 
Wie der Laokoon schon darum nicht, weil das Motiv dieser an sich 
brutalen That zwar nicht ganz weggeblieben, wie dort, aber doch un- 
verständlich ist: die Heldin der Tragödie, Antiope nemlich, ist seit- 
wärts, ja sogar hinter der Scene angebracht, ohne in die Handlung 
gezogen zu sein, und darum zur nichtssagenden Statistenfigur geworden, 
so dass ihr Weglassen und der Verzicht auf alle Motivirung der That 
jener Brüder vielleicht besser gewesen wäre. Für uns jedoch ist die Fi- 
gur der Antiope interessant durch ihre vortreffliche Erhaltung, während 
das Uebrige durch Restauration und Ueberarbeitung sehr gelitten hat. 
Die im Uebrigen vollendet durchgeführte Hgurenreiche Composition 
macht einen  in der Geschichte der griechischen Plastik so ziemlich 
neuen  malerischen Eindruck, allerdings vorzugsweise bedingt durch 
das klüftige Terrain mit seinen nur zu vielen das Local und die Gelegen- 
heit symbolisirenden Details, welche ausser dem herrlichen seiner Grösse 
nach noch zur Gruppe selbst gehörenden Hunde, einem Kranz und 
einem Korbe, wie einem schon unverhältnissmässig kleinen bekränzten 
Knaben, in bedeutend kleinerem Maassstabe zwei einen Stier und ein 
Pferd angreifende Löwen, eine Löwin, zwei aus einer Grotte kom- 
mende Eber, einen Hirsch und eine Hindin, einen Widder, einen Ad- 
ler im Kampfe mit einer Schlange, einen Falken auf einem todten 
Vogel bis herab zu Schildkröte, Schlange und Schnecke darstellen. Die
        

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