Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618762
Plastik. 
Die pergalnenische Schule. 
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schräg vorspringenden nordischen Nase, der bis auf die Oberlippe ge- 
Schorene" Bart, die kräftigen Backenknochen, der Heischige und etwas 
grobförmige Körper, die derbe an Händen und Füssen geradezu schwie- 
lige Haut, das gedrehte Halsband (torqucs) und das gebogene Schlacht- 
horn liessen die Bedeutung des sog. sterbenden Fechters schon seit 
Langem (Nibby) erkennen, und auch an der Gruppe der Villa Ludovisi 
benimmt derselbe Marmor, die gleiche eigenthümliehe Formenbehand- 
ilung und der gleiche männliche Kopf jeden Zweifel, dass auch sie einer 
grössern einen Sieg über die Gallier darstellenden Gruppe angehörte. 
An ein römisches Denkmal ist nach dem Styl nicht zu denken, und un1 
so Weniger, als einige Notizen über das athenische Wcihgeschenk des 
Attalos jeden Einwand vollends beseitigen. 
Das Neue, was uns an diesen Monumenten und somit an der per- 
gamenischen Kunstschule entgegentritt, ist die charakteristisch durch- 
geführte Unterscheidung der Race. Wenn früher Barbaren darzustellen 
Waren, so begnügte man sich mit Costüm und Aeusserlichkeiten, um 
die Nationalität klar zu machen. Diess konnte nach Lysippos, welcher 
an seinen Porträtbildern die individuelle Charakterisirung zu so bedeu- 
tender Höhe brachte, und möglicherweise an der Granikosgruppe die 
Perser auch in Bezug auf Körperformen bereits unterschieden hatte, 
nicht mehr genügen. Durch die Porträtbildnerei in Gruppen war man 
auf Handlung und historische Wahrheit, somit auf historische Kunst 
hingedrangt. Diese finden wir hier vollendet; die ideale Kampfscene 
baut sich aus realen Einzelheiten auf; es ist nicht mehr ein Kampf unter 
Menschen schlechthin, es stehen sich hier Griechen und Kelten, jedes 
Volk in seiner in vollen Zügen gezeichneten Eigenart gegenüber, und 
zwar sind die Barbaren nicht blos ausserlich unterschieden, sondern in 
ihrer leidenschaftlichen Wildheit auch dem Wesen nach charakterisirt. 
Diess bestätiget eine Anzahl von Figuren, welche sich aus dem 
athenischen Weihgeschenke des Attalos erhielten, und deren Zusam- 
menhang mit dem sterbenden Gallier und der pergamenischen Schule 
erkannt zu haben, Brunn's Verdienst ist. Nach Pausanias bestand das 
Weihgeschenk aus Figuren von halber Lebensgrösse in vier Gruppen, 
dem Giganten- und dem Amazonenkampf, der Schlacht bei Marathon 
und dem Siege des Attalos. Aus allen sind noch Figuren übrig; von 
der ersteren ein todt hingestreckter Gigant (Neapel), von der zweiten 
eine gefallene Amazone (ebenda), aus der dritten ein behoster todter 
und zwei knieende nackte Perser (Neapel, Vatican und im Besitz Ca- 
stellanfs) und aus der vierten fünf Gallier, von denen zwei knieende (Ve- 
nedig und Paris) wie ein rücklings niedersinkender {iVenedigl als solche
        

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