Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618724
Plastik. 
Lysippos und dessen Schule. 
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das dem Maasse nach {über 30 M. Höhe grösste Werk Griechenlands 
schuf, nemlich den Sonnenkoloss zu Rhodos. Da ihn Plinius als bereits 
gestürzt, und zertrümmert schildert, so bieten seine Worte über Auf- 
fassung und Styl nichts dar, und die landläuüge Vorstellung, als sei er so 
über der Hafeneinfahrt gestanden, dass die Schiffe zwischen seinen Bei- 
nen durchführen, ist nichts als eine an die projectirte Athosfigur des 
Deinokrates erinnernde Fabel. Selbständiger scheint unter den Ly_ 
sipposschülern Eutychides gewesen zu sein, dessen Stadtgöttin An- 
tiocheia, von welcher sich eine Copie im Vatican befindet, durch die 
trefflich motivirte bequeme Stellung wie durch effectvolle Gewandung 
sich auszeichnet, aber auch in ihrer genrehaften Behandlung jeden Ge- 
danken an religiöse Kunst, welcher stets eine gewisse Strenge und 
Würde anhaften muss, ausschliesst. War aber die Stadtgöttin behaglich 
hingegossen, wie wohl die Stadt selbst, so erschien eine andere Perso- 
nification, der Flussgott Eurotas vflüssiger wie Wasseru, und wir dürfen 
uns beides gewiss nicht als einen gelungenen Zufall, sondern als eine 
Weiterbildung jener Charakterzeichnilngen des Lysippos erklären, in 
welchen der grosse sikyonische Meister bei seinen Porträts das ganze 
Wesen zu erfassen und zu verkörpern strebte. 
Mit Lysippos waren die Hauptrichttlngeil der Kunstentwicklung 
erschöpft, die Höhe derselben von allen Seiten erreicht. vDer Gipfel 
liegt hinter uns, wir steigen abwärts, und mag unser Weg zur Tiefe uns 
zunächst noch durch reizende Gelände führeni die rechte reine Aether- 
klarheit hört bald auf uns zu umstrahlen, und vor dem weiterschauen- 
den Blicke taucht aus dem Nebel ferner jahrhunderte schon die un- 
endliche fiache Wüste auf, in deren Sande der Strom der griechischen 
Kunst zu versiegen bestimmt iStu (Overbeck). Alexander selbst hatte 
noch über den letzten der sieben grossen plastischen Meister zu gebie- 
ten; mit ihm endete, wie überhaupt die Grösse des Hellcnenthums, so 
auch die frische Unmittelbarkeit des hcllenischen Schaffens. Er wie seine 
Nachfolger bauten zwar Tempel nach wie vor, welche mit Götterbildern 
und mit äusserem bildnerischen Schmuck zu versehen waren; aber man 
entnahm die Vorbilder hiezu jenen früheren Werken, die zu typischer, 
kanonischer Bedeutung sich erhebend doch nicht mehr zu überbieten 
waren, und bewegte sich einfach reproducirend um so lieber in dem 
gegebenen bequemen Geleise, als in der alexandrinischen Periode zer- 
setzender Skepticismus, leerer Formalismus und erkältender Indifferen- 
tismus an die hellenische Religion bereits die vielschneidige Axt gelegt 
hatten. Mit der Ausbreitung des Hellenenthums bis in das Herz von 
Asien verlor dieses selbst und mit ihm die Kunst am inneren Wesen,
        

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