Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618694
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Hellas. 
hafte Wiedergabe jeder Detailerscheinung handelte, wie sie etwa die 
Photographie oder jene verwerfliche Porträtbildnerei gibt, welche die 
Aehnlichkcit durch die scharfe Beobachtung jeder auch für das Ganze 
unwesentlichen Aeusserlichkeit zu erreichen strebt und welcher gerade 
des Lysippos Bruder Lysistratos durch Herstellung von Gypsrnasken 
nach der Natur für seine Porträts huldigte, sondern um die Feststellung 
des Charakters in den Zügen, was wir übrigens schon an dem Apollo- 
doros des Silanion gefunden, erhellt zunächst aus der Notiz von einigen 
Porträts längst verstorbener und sogar sagenhafter Persönlichkeiten. 
Denn konnte auch bei jenen noch ein älteres Bild über die wirklichen 
Zuge belehren, so war diess gewiss nicht der Fall bei einem Aesop oder 
den sieben Weisen, für deren geistige Eigenthümlichkeit, ja sogar wis- 
senschaftliche Anschauung der Meister erst entsprechende Typen er- 
finden musste. Auch bei dem Porträt, welches er am häufigsten bildete, 
nemlich dem Alexanders des Grossen, war es von besonderer Bedeu- 
tung, die an sich unschöne und fehlerhafte Gesichtsbildung des grossen 
Königs durch den Ausdruck seines gewaltigen Charakters zu verklären 
und so harmonisch zu durchdringen, dass selbst die Aehnlichkcit durch 
eine solche zusammenfassende Zuthat noch gewann. Desshalb aber, weil 
der Künstler auf diese Weise Alexanderporträts schuf, die von der 
wirklichen und momentanen Erscheinung des Königs sich ebensosehr 
und so vortheilhaft unterschieden, wie die historische Vorstellung einer 
grossen Persönlichkeit von der Kenntniss derselben in ihrem alltäglichen 
Leben, wollte Alexander von Niemandem andern plastisch gebildet sein 
als von Lysippos, wie er auch keinem anderen Pinsel zu Modell sass als 
dem des Apelles. Um die Auffassung des Lysippos anschaulich zu ma- 
chen, wird freilich selbst nicht das beste unter den erhaltenen Alexan- 
derporträts, die Büste im Capitol, genügen. Wie grossartig aber solche 
monumentale Porträtschöpfungen waren, davon gibt die Nachricht von 
der Gruppe zu Dium (später in die Porticus der Octavia zu Rom ver- 
setzt) einige Vorstellung, nach welcher dieselbe, eine Scene aus der 
Schlacht am Granikos darstellend, die fünfundzwanzig Reiter enthielt, 
welche um den König gefallen waren und dazu noch neun Krieger zu 
F uss, zu welchen wahrscheinlich noch mehre von den Feinden gerechnet 
werden müssen. 
Die bedeutendste Gruppe neben der behandelten bilden die lysip- 
pischen Heraklcsdarstellungen. Nicht in idealer Erhebung über das 
Menschliche, sondern vielmehr in der Potenzirung des Menschlichen 
bestehend stellt der lysippische Heraklestyptls sich in einen überaus 
bezeichnenden Gegensatz zu den schlechthin menschlichen Typen eines
        

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