Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618671
326 
Hellas. 
Künstler in hohem Ansehen, welche nicht blos zum Theil ihre eigenen 
Wege gingen, sondern auf diesen sogar über das Gebiet jener hinaus- 
und Zielen zustrebten, welche erst von der Mitte des 4. Jahrhunderts an 
und von einer andern Kunststätte aus herrschend wurden. Diess waren 
Silanion aus Athen und Euphranor vom Isthmos. Der erstere, 
mehr Porträt- und Siegerdarstellungen zugewandt und namentlich jene 
so bezeichnend wiedergebend, dass sie geradezu als Verkörperun- 
gen des betreffenden Charakters erschienen, wie z. B. in dem Bildniss 
des leidenschaftlichen Bildhauers Apollodoros der personificirte jähzorn 
zur Erscheinung kam, unterschied sich schon durch die Gegenstände 
seiner Kunst, welche er vielmehr mit einem Lysippos gemein hatte, be- 
stimmt von Praxiteles, wie auch Euphranor, der zugleich undwahr- 
scheinlich überwiegend Maler war, in der derberen Kraft seiner Schö- 
pfungen, soweit wir wenigstens von seinen Gemälden auf seine statuari- 
sehen Arbeiten schliessen dürfen, sich zu der weichen praxitelischen 
Richtung in Gegensatz stellte und ebenfalls der lysippischen verwandter 
erwies. Beide nehmen daher, ähnlich der Uebergangsstellung des Ke- 
phisodotos des Aelteren zwischen Phidias und Skopas, eine Art von Mit- 
telstufe zwischen der skopas --praxitelischen und der lysippischen Kunst 
ein, welche letztere sie auch durch Studien und Neuerungen im Gebiete 
des menschlichen wKanona vorbereiteten. 
Der Schauplatz einer durchgreifenden Ausbildung der von den Ge- 
nannten angezeigten Richtung wurde Sikyon, ihr Träger Lysippos. 
Wenn auch Autodidakt, denn er soll als Jüngling handwerklicher Erz- 
arbeiter gewesen sein und von daher sich zum Künstler aufgeschwungen 
haben, war er doch nicht ohne Schulzusammenhang; denn er nannte 
selbst des Polyklet Doryphoros, jenes oben besprochene akademische 
Ateliermuster, sein Vorbild, und blieb auch bei dem polykletischen 
und überhaupt peloponnesischen Materiale, der Bronze. Doch kann man 
ihn auch keinen unmittelbaren Schüler Polyklets nennen; denn dessen 
Kanon wurde von ihm gleichsam corrigirt und sogar durch einen neuen 
ersetzt, welcher der Kunstvorstellung des jüngeren Meisters angemes- 
sener war. Zog nemlich der polykletische gleichsam das Mittel der 
menschlichen Erscheinung, so glaubte Lysippos sein menschliches Ideal 
höher ansetzen zu müssen als im Durchschnitt der verschiedenen Wirk- 
lichkeiten, indem er dieselben im Vergleich mit dem Urbilde "zunächst 
als herabgekommen und verschrumpft betrachtete. Wenn cr mit Rück- 
sicht darauf trotzdem sein Ideal aus der wirklichen Erscheinung ent- 
wickelte, worauf ihn auch der von ihm über einen Lehrmeister um Rath 
befragte Maler Eupompos von Sikyon durch Hinweisung auf das ver-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.