Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618658
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Hellas. 
So bedeutend die Schule der beiden Meister des Pathos gewesen 
sein muss, so scheinen doch unter zahlreichen erhaltenen Namen ausser 
den obengenannten Genossen des Skopas am Mausoleum und den beiden 
Söhnen des Praxiteles, Kephisodotos dem jüngeren und Timarchos 
wenige hervorragende aufgezählt werden zu können. Zwei statuarische 
Werke höchster Bedeutung aber dürften ihren tüchtigsten Schülern zu- 
zuschreiben sein, die Venus von Melos im Louvre und der sog. llioneus 
der Glyptothek in München. Wäre die riithselhafte Künstlerinschrift 
der ersteren, welche sie in Charakteren des 1. Jahrhunderts v. Chr. als 
Schöpfung des (Ale)xandros, Menides" Sohn aus Antiocheia am Mäander 
bezeichnet, die jetzt sammt dem entsprechenden Theile des Plinthes 
verschwunden ist, zugehörig oder acht, so würden wir an dem Werke 
einen unerklärbaren Anachronismus, eine Leistung höchster Kunst- 
stufe in entschieden vorgeschrittener Verfallzeit besitzen; da aber die 
Aechtheit durch Verlust des Stückes nicht einmal mehr geprüft werden 
kann, so wird die Wissenschaft sicherer gehen, sich mehr an den Styl 
zu halten. Nach diesem aber, der alle übrigen, nach den Künstlerin- 
schriften allein beurtheilt, älter erscheinenden Venusdarstellungen durch 
die Grossartigkeit und Göttlichkeit im Gegensatz zu der verschämten 
Koketterie der letzteren, durch die kraftvolle Fülle des Fleisches an die- 
sem in ewiger Jugend blühenden Körper im Gegensatz zu deren über- 
triebener Grazilität, durch die milde Weichheit der OberHäche neben 
der ltalten Glätte an den anderen Aphroditen bei weitem übertrifft, 
müssen wir zwischen sie eine Kluft setzen, welche ungefähr derjenigen 
zwischen der praxitelischen Blüthezeit und der römischen Reproductions- 
periode entspricht. Wenn aber diess zur Ueberzeugung werden kann, 
so wird dasselbe kaum mit einer der vorliegenden Erklärungen der 
Statue der Fall sein können. Denn da beide Arme fehlen, und der 
halbnackte Körper mit dem herabgesunkenen und die Beine verhüllen- 
den Gewande auch das einzige sonstige Kennzeichen, nemlich den Ge- 
genstand, auf welchen sich das etwas erhobene linke Bein stützt, ver- 
loren hat, lässt sich kaum der Name der Figur als Aphrodite schlecht- 
hin mit der üblichen Sicherheit annehmen, indem römische gleichfalls. 
halbnackte Victoriatypen in derselben Gewandung und Stellung mit 
Schilden, auf welche sie den Sieg schreiben, den Gedanken an eine der 
attischen Athene-Nike analoge Aphrodite-Nike (Fig. 187) erwecken dürf- 
ten, gcschweige denn die ganze Composition. Die Restaurationen haben 
alle ihre Schwierigkeit: sowohl die gewöhnlicher angenommene der sich 
im Schild des Ares spiegelnden Göttin trotz der auch auf die capuanische 
in Neapel befindliche Venus anwendbaren Analogie einer von Pausanias
        

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