Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618646
Plastik. 
Praxiteles. 
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mcrische Dionysos mit dem Rehfell zu nennen sind. Tiefer Schmerz 
und wehmuthvolle Trauer aber Waren die Grundzüge von zwei Gruppen, 
von Welchen eine die Entführung der Persephone durch Hades und die 
andere deren Rückgabe an die Unterwelt, der sie mit jedem Herbste 
als das Sinnbild der Saat verfallen war, durch Demeter darstellte, 
welche letztere hier ebenso in gesteigertem Pathos einer schwergeprüf- 
ten Mutter erscheint wie an anderen praxitelischen Werken  und 
Demeter ist vom Meister ebenso oft dargestellt worden, wie Aphro- 
dite  in den milden Affecten einer gesegneten und segenspendenden 
Mutter. 
Es begreift sich daher leicht, namentlich wenn wir auch hier die 
Niobegruppe wieder in Betracht ziehen, die ja ebensogut von Praxiteles 
wie von Skopas sein kann, wie Diodor von Sicilien dem Künstler das 
Lob spenden konnte, er habe die Erregungen des Gemüths im höch- 
sten Grade darzustellen vermocht, oder wie Cicero die praxiteli- 
sehen Köpfe besonders hervorhebt, in Welchen ja der Ausdruck des 
Pathos gipfeln musste. Es lässt sich aber auch der Ruhm der Arme 
an den Werken des Meisters (nach Auctor ad Herennium) verstehen, 
wenn man erwägt, dass deren Gestus die Erregung des Gemüthes 
so Lmwillkührlich und bezeichnend wie kein anderer Körpertheil be- 
gleitet. 
Trotz der erstaunlichen Vielseitigkeit und Productivität des Meisters, 
denn der grösste Theil der ganzen Götterwelt ist in seinem halben Hun- 
dert von Werken und zum Theilügurenreichen Gruppen vertreten, lässt 
sich indess erkennen, dass Praxiteles neben seiner pathetischen Rich- 
tung besonders jenen Gebieten huldigte, in welchen mädchenhafte oder 
Jünglings-Gestalten Gelegenheit zu Entwicklung der höchsten zaiten und 
reizvollen, manchmal Wohl auch sinnlichen Schönheit darboten, die sich 
ebenso von jener herben, abstracten Schönheit, jener Liusserlichen for- 
malen Vollkommenheit, Wie sie Polyklet anstrebte und erreichte, wie 
Von der erhabenen göttlich-höchsten Potenz, wie sie Phidias in sei- 
nen Zeus- und Atheneidealen verkörperte, unterschied. Weder ab- 
Solut menschlich, wie bei Polyklet, noch absolut göttlich, wie bei 
Phidias, war diese bewegte Schönheit für jene Götterwelt wie geschaf- 
fen, welche sich weniger über menschliche Anschauung und Em- 
pfindung erhob, und in diesen Gebieten scheint denn auch Praxiteles 
ebenso die Typen festgestellt zu haben wie Phidias für die höchsten 
Götterwesen, so namentlich für Aphrodite und Eros, für den ju- 
gendlichen Dionysos mit Gefolge, für Demeter und den eleusinischen 
Kreis.
        

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