Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618628
Plastik. 
Skopas. 
Praxiteles. 
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bildenden Kunst fast ganz negirt und durch ihren wellenförmigen Fluss 
sich so sehr von den Aeginetezigruppen ja selbst von den auch in der 
Bewegung ruhigeren Parthenongiebelbildern unterscheidet, sind den 
Meistern des Pathos so eigenartig und für deren Leistungen so cha- 
rakteristisch, dass die Niobiden stets als die Ielauptprobe ihres Styls 
werden zu betrachten sein.  
Wenn wir uns aber für die Darstellung des Kunstcharakters des 
Skopas mit nicht zu reichlichen Berichten und einigen Nachbildungen 
begnügen mussten, so scheint es doch ausser dem erwähnten unsichern 
Atelierwerke des Meergötterifrieses in der Glyptothek zu München nicht 
ganz an originalen Resten von seiner Hand zu fehlen. Wir ersahen 
nemlich, dass Skopas auch an der plastischen Ausschnlückung des Mau- 
soleum Von Halikarnass beschäftigt, und, während seine jüngeren Ge- 
nossen Le o chares, den wir aus einer vaticanischen Nachbildung sei- 
nes von jovis Adler geraubten Ganymedes kennen, Timotheos und 
Bryaxis an der Süd- und Nordseite arbeiteten, so an der Ostseite 
thätig war. 'Allein die zum grösseren Theile schon früher bekannten 
Friesreliefss, von welchen die bedeutendste Gruppe den so oft wieder- 
kehrenden Amazonenkampf darstellt, sind trotz ihrer theilweise wun- 
derbaren Schönheit, trotz der den grossen Meistern dieser Periode eige- 
nen Bewegtheit und nicht selten hervortretenden pathetischen Haltung 
gewiss nicht auf einen Meister ersten Ranges zurückzuführen, und Ate- 
lierarbeit. Die durch die englische Ausgrabung unter Newton 1850 
aufgefundenen zahlreichen Fragmente der Statuen aber, die nach 
Analogie des Augustusmausoleums wohl in den Intercolumnicn (denn 
wo sonst?) standen und von welchen auch wenigstens ein mehr erhal- 
tener Torso (Zeus) an der dem Skopas zugeschriebenen Ostseite ent- 
deckt ward, sind leidcr zu sehr verstümmelt, als dass sich ein siche- 
res Urtheil gewinnen liesse, wie die abweichenden Ansichten verschie- 
dener Fachmänner beweisen. Jedenfalls dürften wir auch diese mehr 
decorativen Werke nicht neben die berühmteren Einzelarbeiten des 
Meisters stellen. 
Die Erkenntniss der Kunst des Skopas aber ergänzt sich durch 
die Betrachtung seines jüngeren und wohl noch bedeutenderen Zeitge- 
nossen P raxiteles. Die Hauptwerke auch dieses Meisters bewegen 
sich in ähnlichen Kreisen und verrathen alle dessen Vorliebe für sinnige 
Jugendschönheit. Praxitelische Aphroditen sind nicht weniger als fünf 
bekannt, worunter die berühmte knidische, die als Weltwunder be- 
trachtet, als Sehenswürdigkeit neben den olympischen Zeus gesetzt und 
von Kunstliebhabern dergestalt angestrebt wurde, dass z. B. König Ni_ 
REBER, Gesch. d. a. Kunst. 2 1
        

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