Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618607
Plastik. 
Skopas. 
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Original zurückgeht, da die ganze Haltung wie der grossartige Schwung 
der Gewänder viel eher mit den Niobiden als mit den vergöttlichten 
Kaiserbildern (Nero als Kitharödos) vergleichbar ist. Ohne eine ge- 
wisse rührende Erregtheit und Schwärmerei können wir uns auch kaum 
die bithynische Achilleusgruppe denken, welche später im Neptun- 
tempel der Region Circus Flaminius zu Rom aufgestellt Ward und nach 
Plinius den Meister berühmt gemacht hätte, auch wenn er in seinem 
ganzen Leben nichts Anderes geschaffen. Dasselbe stellte die An- 
kunft des Achill nach seinem Tode auf der Insel Leuke, und dessen 
Aufnahme unter die Meergötter dar, und enthielt ausser Thetis und 
Poseidon noch zahlreiche Meerwesen phantastischer Bildung. Von den 
letzteren gewinnen wir vielleicht einige Vorstellung durch den herrli- 
chen Fries Nr. 115 der Münchener Glyptothelq, welcher aus dem Palast 
Santa Croce, somit ungefähr aus der Gegend des Neptuntempels stam- 
mend, möglicherweise zu dem letzteren gehörte, und seinen Vorzügen 
nach recht wohl mit der Statuengruppe in enger Verbindung und zu 
Skopas in einem ähnlichen Verhältnisse gestanden haben kann, wie der 
Parthenonfries zu Phidias. 
Zaite Schönheit und schwärmerische Innigkeit müssen wir auch bei 
den Werken des Meisters aus dem Aphroditenkreise voraussetzen, sonst 
hätte nicht Plinius wenigstens die Aphrodite, die sich später zu Rom im 
Marstempel der Region Circus Flaminius befand, selbst noch über die 
praxitelischen setzen können, oder sonst wären Gruppen wie zu Megara, 
Eros, Himeros und Pothos (Liebe, Liebreiz und Verlangen), nach Pau- 
sanias ihrer Bedeutung entsprechend charakterisirt, oder wie Aphrodite 
mit ihrem priesterlichen Geliebten Phaeton oder Pothos in Samothrake 
nicht denkbar. Auch die Gruppe der Leto mit ihrer die Kinder Apollon 
und Artemis tragenden Amme Ortygia musste als die Personiücation 
von Mutterfreude und Mutterstolz von tiefgemüthvollem Gehalt gewesen 
sein. Anschaulicher denn alles Uebrige aber vergegenwärtigt uns die 
Richtung des Meisters, welcher gleichwohl schon nach der Liste seiner bis- 
her noch ungenannten _Apoll0, Ares, Dionysos und Asklepios, Hekate, 
Hestia, Athene, Artemis, Hygieia und in den tegeatischen Giebelgrup- 
pen die kaledonische Eberjagd und den Kampf des Achill und Telephos 
darstellenden  Werke sehr vielseitig gewesen sein mag, eine grössere 
Composition, über deren entweder dem Skopas oder dem Praxiteles 
zuzuschreibende Urheberschaft aber Plinius im Zweifel ist: die berühmte 
Niobegruppe. Besitzen wir auch von dieser das Original nicht mehr 
und sind selbst die sehr ungleich gearbeiteten Stücke, von welchen die 
meisten in den Ufßcien zu Florenz befindlich, einige in verschiedenen
        

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