Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618569
Plasti 
Polyklet und dessen Schule. 
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Das Streben nach Formvollendung machte den Meister von Arges 
von selbst zum erspriesslichen Lehrer. Doch erlangte  vielleicht mit 
Ausnahme des oben genannten Nau kydes  keiner von seinen sehr 
zahlreichen unmittelbaren Schülern den Ruf wie die Genossen des 
Phidias: vielleicht gerade wegen des Zuviel der Schule und Zucht, der 
strammen Gebundenheit an einen Kanon, was alles der künstlerischen 
Individualität wohl auch die Flügel band. Wie weit seine Richtung in 
der etwas jüngeren tihebanischen Zweigschule in der Zeit der kurzen 
Blüthe Thebens gefördert wurde, vermögen wir kaum zu beurtheilen, 
wenn auch unter vielen anderen thebanischen Künstlern Hypatodoros 
und Aristogeiton namentlich durch die um 380 v. Chr. von den 
Argivern nach Delphi geweihten Gruppen  denn wahrscheinlich ist 
nicht blos die Darstellung des Zuges der Sieben gegen Theben, sondern 
auch die der erfolgreichen Wiederholung desselben durch deren Söhne 
von der Hand dieser beiden Meister  von nicht geringer Bedeutung 
gewesen sein mögen. Erst als ein mittelbarer Schüler Polyklefs, 
Lysippos, mit dem Programm, die Menschen darzustellen, wie sie sein 
sollten, statt sie nach Polyklet darzustellen, wie sie sind, sich wie- 
der vollständig über dessen Kanon aufschwang, erstand abermals ein 
Meister ersten Ranges, von dem unten noch gesprochen werden soll. 
Proben der Leistungen der polykletischen Werkstatt aber sind zwar 
noch vorhanden, jedoch leider nur wenig bekannt, indem die 1854 durch 
Rangabe und Bursian entdeckten, freilich ziemlich dürftigen Sculptur- 
fragmente des genannten Heratempels, welche wahrscheinlich ebenso 
unter der Leitung des Meisters von Argos entstanden, wie die Parthenon- 
sculpturen unter der des Phidias, noch nicht systematisch behandelt und 
publicirt, ja sogar noch nicht einmal gehörig aufgestellt sind. 
Der attische und argivische Kunsteintluss aber beherrschte nicht 
blos das eigentliche Griechenland geraume Zeit, sondern drang sogar 
in die entlegensten Colonien. S0 muss uns selbst der Zeus auf einer 
der Metopen des Tempels E zu Selinus (Fig. 184), der übrigens auch 
in den Zeusbildern des Ageladas seine Wurzel haben könnte, an den 
olympischen erinnern, in dessen Vollendungszeit auch die des selinun- 
tischen Tempels fallen wird. Der Künstler dieser Metope geht, die 
Berüekung des Zeus durch Hera auf dem Ida (Ilias XIV.) darstellend, 
in dem Zeus geradezu über sein sonstiges Vermögen hinaus, indem die 
nebenstehende Hera noch weit alterthümlieher und strenger erscheint. 
Und auch an den beiden anderen ganz erhaltenen Metopen dieses Tem- 
pels, von welchen die eine Herakles im Amazonenkampfe und die andere 
Aktäon von Hunden zerüeischt darstellt, sind Anklänge an die Metopen
        

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