Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618531
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Hellas. 
Verfertiger der reichen Prachtlampe des Erechtheion und Erfinder des 
korinthischen Capitals, welchen aber als Bildhauer das Streben nach 
raffinirter Zierlichkeit und formeller Vollendung zur Düftelei führte, die 
ihm auch den Beinamen des Katatexitechnos, des maasslos Sorgfaltigen, 
erwarb. Hob später Apelles als seinen Vorzug vor den übrigen Malern 
die Charis hervor, erreicht dadurch, dass er zur rechten Zeit die Hand 
vom Werke zurückzuziehen wusste, so stimmt damit auch das Urtheil 
des Plinius über Kallimachos überein, dass durch dessen übermässig 
Heissige Ausführung alle Anmuth verloren gegangen sei. Einen noch 
bedenklicheren Abweg zeigt uns Demetrios aus Alopeke in Attika, 
der erste Realist. Vorzugsweise Porträtbildner strebte dieser nur nach 
sprechender Aehnlichkeit selbst auf Kosten der Schönheit, und erreichte 
daher auch in Greisenbildnissen seinen Ruf. Eine 64 Jahre alte Priesterin 
und der betagte korinthische Feldherr Pelichos, nder Kahlkopf mit dem 
Hangebauch, dem wirren fliegenden Barte und den unter der welken 
Haut greifbar vertretenden Aderna, müssen nach der angedeuteten 
Schilderung Lt1kian's von idealisirender und verjüngender Schönheit so 
weit entfernt gewesen sein, dass vielmehr gerade die Charakterisirung 
des schönheitraubenden Alters als das Ziel erscheint, das sich der 
Künstler gesetzt hat, wonach dieser neben einem Phidias und Myron 
erscheint, wie Thersites unter den Helden vor Troia. 
Wenden wir uns nun nach dem zweiten Hauptschauplatze der 
Kunstthätigkeit dieser glänzenden Periode, nemlich nach Argos. An 
dieser uralten Kunststätte hatte ein dritter Schüler des Ageladas, ein 
etwas jüngerer Zeitgenosse des Phidias, Polyklet von Sikyon, die 
Kunst in einer wieder anderen Richtung als Myron und Phidias zu einer 
eigenartigen Höhe gefördert. Strebte jener nach Typen des inten- 
sivsten animalischen Lebens, dieser nach den Idealen absolut göttlicher 
Wesenheit, so hatte sich Polyklet die künstlerische Darstellung der 
höchsten menschlichen Schönheit, Typen absoluter Vollkommenheit 
der körperlichen Erscheinung zum Ziele gesetzt. Schon im Alter- 
thume galt daher als sein charakteristischestes Hauptwerk, auf welches 
auch mehre erhaltene Statuen zurückzugeben scheinen {Friederichs), der 
geradezu als nKanonu (Musterbild) berühmte Doryphoros, ein 1anzen- 
tragender Jüngling in ruhiger Stellung, der lediglich als eine Normal- 
gestalt mustergültiger Formvollendung gedacht war, zu welcher der 
Meister selbst in einer Abhandlung über die Proportionen des mensch- 
liehen Körpers gleichsam den Text schrieb. Es ist nicht unwahrschein- 
lich, dass Polyklet mit diesem Werke seiner zahlreichen Schule eine 
Vorlage hinstellen wollte, von welcher er in seiner so zu sagen akade-
        

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