Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618522
lastik 
Attische Meister 
myronischel 
und eigener 
 
Richh 
bende Verwundete des Kresilas, an welchem man nach classischen 
Berichten den noch vorhandenen Lcbensrest ermessen konnte, und 
ebenso wird auch dessen verwundete Amazone mehr der Richtung des 
Myron und Pythagoras als der phidiasischen sich angeschlossen haben. 
Vorhanden ist von den unmittelbaren Nachfolgern des Myron kein Werk, 
wie keine gesicherte Nachbildung; doch nehme ich keinen Anstand, ein 
bedeutendes Werk seiner Schule zuzuschreiben, das sich freilich zu der- 
selben nicht genau so verhält, wie die architektonischen Sculpturen des 
Parthenon zu der Werkstatt des Phidias, das aber jedenfalls aus dessen 
Richtung sich eher erklären lassen wird, wie mit den bisherigen Deu- 
tungen. Diess ist der jetzt im britischen Museum befindliche Fries des 
oben in Bezug auf seine architektonische Stellung besprochenen Apollo- 
tempels bei Phigalia. Der Tempel soll unter Leitung eines athenischen 
Architekten ausgeführt worden sein; dass daher auch attische Bildhauer 
für die architektonischen Sculpturen, die überdiess attische Sujets, nem- 
lich Amazonen- und Kentaurenkämpfe darstellen, verwendet wurden, 
ist wahrscheinlich, und zwar um so mehr, als dieselben von der sonst 
die Peloponnes beherrschenden argivischen Schule, von welcher unten 
gehandelt werden wird, keine Spur zu verrathen scheinen. Schon die 
oberflächliche Vergleichung mit dem Parthenonfriese aber zeigt, dass 
von phidiasischer Richtung ebensowenig gesprochen werden könne, wie 
von argivischer; denn an der Stelle jener leidenschaftslosen Grossartig- 
keit und idealen Einfachheit, welche die Parthenonsculpturen charakteri- 
siren, erscheint hier eine Heftigkeit, Erregtheit und Gewaltsamkeit, kurz 
eine Lebendigkeit, wie sie in dieser Periode nur an Werken myronischer 
Richtung gedacht werden kann. Dass die übermässig heftige Bewegung 
manchmal unschön wird, kann uns in dieser Annahme schon darum 
nicht beirren, weil ja die ausführenden Kräfte, die man in der abge- 
legenen Bergstadt zur Verfügung hatte, jedenfalls nicht ersten Ranges 
waren und die Oberleitung eines solchen Meisters wie am Parthenon 
fehlte. Doch kann ich nicht umhin, meine von anderen abweichende 
Beobachtung auszusprechen, dass die bekannteren Nachbildungen des 
Frieses in den Publicationen von Stackelberg und Wagner weiter hinter 
der Schönheit des Originals zurückstehen, als diess sonst der Fall zu 
sein pflegt, indem mir wenigstens manche Parthien des Originals von 
grossartiger Kühnheit und ergreifender Gewalt erschienen, die sich in 
den Zeichnungen als unschöne Verirrungen darstellen. 
Ganz selbständig endlich erscheinen zwei Künstler dieser Periode, 
welche sich jedoch bereits auf entschiedenen Abwegen befinden. Zu- 
nächst Kallimachos, der auch im tektonischen Gebiete bedeutende
        

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