Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618509
Plastik. 
Schüler 
des Phidias und des Myron. 
309 
an künstlerischen Ungleichheiten, an Wiederholungen, an gesuchten 
Modificationen wie an geradezu misslungenen Bildungen fehlt, ist kaum 
anders möglich, da übcrdiess hier doch manches auch untergeordneteren 
Künstlern ganz übertragen sein musste; einzelne Platten aber erschei- 
nen sowohl in Bezug auf Raumausfüllung als auf grossartige charak- 
tewolle Zeichnung nicht minder bewundernswerth, als das Friesrelicf. 
Es weht uns auch an diesen Arbeiten der Hauch der phidiasischen 
Schule und Werkstatt entgegen, jene imposante leidenschaftslose Gross- 
artigkeit und ideale Einfachheit, welche den Grundzug ihres Wesens 
bilden. 
Wir besitzen nun allerdings für diese umfanglichen Schöpfungen der 
Schule und Werkstatt des Meisters keinen Künstlernamen, doch fehlte 
es keineswegs an Gehülfen und Schülern des Meisters, welche auch 
eine selbständige Berühmtheit erlangten. Unter diesen ist Alkamen es 
aus Lemnos oder Athen an erster Stelle zu nennen, von Welchem die 
westliche Giebelfeldgruppe am Zeustempel zu Olympia, den Kentauren- 
kampf bei der Hochzeit des Peirithoos darstellend, ferner die marmorne 
Aphrodite in den öffentlichen Gärten von Athen, welche ihres schönen 
Kopfes, wie ihrer feinen Handgelenke und zarten Finger wegen gerühmt 
wird, dann der chryselephantine Dionysos im Tempel dieses Gottes zu 
Athen, und endlich der Asklepios in dessen Tempel zu Mantineia unter 
mehren anderen Werken hervorragten. Es ist in hohem Grade wahr- 
scheinlich, dass dieser Meister, an das von Phidias mustergültig festge- 
stellte Zeusideal sich anlehnend, sich vorzugsweise mit der Ausbildung 
der Typen anderer bärtiger Gottheiten beschäftigte, welche darum zum 
Theil dem Zeusideal so nahe stehen, dass sie bis auf die neueste Zeit 
vielfach mit demselben verwechselt worden sind. Und ist es auch nicht 
auszumachen, ob hinsichtlich des Asklepios, der z. B. in dem schönen 
Marmorkopf des britischen Museums die Verwandtschaft mit dem phi- 
diasischen Zeus nicht verkennen lässt, dem Werke des Alkamenes oder 
denen von zwei anderen Zeit- und Schulgenossen desselben, nemlich 
des Kolotes oder des Thrasymedes (beide aus Paros), der Vorrang 
in Bezug auf die Feststellung des Typus zuzusprechen ist, so scheint 
doch das Ideal des bärtigen Dionysos und wahrscheinlich auch das des 
Hephästos und des Ares auf Alkamenes zurückzuführen zu sein, wie das 
des Hades auf Phidias" Lieblingsschtiler Agorakritos. Die ausser- 
ordentliche Nähe des Poscidontypus an dem des Zeus erlaubt sogar die 
Behauptung, dass auch dieser in derselben Zeit sich festgestellt haben 
musste, wenn sich auch zufällig keine Plrwäihnung eines solchen Werkes 
an einen der genannten Meister knüpft.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.