Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618498
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IIellas. 
der Opferträger, welche in grossen Schüsseln, Schläuchen und Krügen 
nicht näher bestimmbare Gaben bringen, gefolgt von dem Reigen der 
Flöten- und Leierspieler, Welche wieder dem Zuge der Festkämpfer 
vorangehen. Diese erscheinen zunächst zu Fuss, dann zu Wagen, 
welche zum Theil (wie auf dem oben erwähnten altattischen Relief) von 
Frauen gelenkt und von den sprung- und lauffertigeil vollgerüsteten 
Apobaten begleitet sind, und zuletzt zu Pferd, in welch letzterer Gruppe 
der Fries vielleicht seinen Glanzpunkt erreicht. Die westliche Schmal- 
seite endlich zeigt die Scene noch am Aufstellungsplatze des F estzuges; 
hier werden erst die Pferde gezäumt und in Reihe und Glied gebracht, 
hier stehen die Gruppen von Männern und jünglingen noch ungeordnet, 
während sogar der eine oder andere sich erst wappnet, die Sandalen 
bindet, oder den Mantel umwirft. Die Motivirung jeder Handlung und 
Bewegung ist einfach und prägnant, niemals störend und zum Nachtheil 
des Benachbarten hervorgehoben, namentlich aber ist bei sonst sehr 
sorgfältiger, liebevoller und ziemlich gleichmässiger Durchführung des 
Nackten und der Gewandung alles Beiwerk mehr angedeutet. Ver- 
gleichen wir in letzterer Hinsicht ninivitische oder persische Darstellungen 
ähnlicher Aufzüge mit dem Paithenonfriese, so springt so recht in die 
Augen, dass dem Griechen jener Gerätheprtlnk, den der asiatische 
Künstler so mühselig und weit liebevoller als die schematischen mensch- 
lichen Figuren nachbildete und detaillirte, nichts war neben dem 
Menschen selbst, dessen geistige wie körperliche Schönheit ihm und 
darum auch dem hellenischerl Künstler alles andere Interesse ver- 
dunkelte. 
Die dritte Gruppe der Sculpturen des Parthenon, der Metopen- 
schmuck, musste seiner Natur nach dem Meister am fernsten stehen. 
Hier wird der architektonische Rahmen geradezu zur Fessel, indem die 
Aufgabe, o2 ungefähr quadratische Platten gleichmässig und mitver- 
wandten Darstellungen zu füllen, zu undankbar erscheinen musste. S0 
viel wir aus den dürftigen Resten (denn die Mehrzahl der Platten ist ver- 
loren oder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt) sehliessen können, war 
der Gegenstand fast aller die Kentauromachie. Die aus Beleuchtungs- 
gründen im Gegensatz zu dem sehr flachen Basrelief des Frieses bis zur 
theilweisen Ablösung vom Grunde hoch gearbeiteten Reliefs überbieten 
sich in Variationen desselben Gegenstandes, nemlichdes Kampfes eines 
jünglings mit einem ältlichen Kentauren, welcher, abgesehen von der 
Abwechslung in Bezug auf den Sieg des einen oder anderen nur manch- 
mal von der Darstellung eines Frauenraubes durch einen Kentauren 
unterbrochen wird. Dass es bei einer so verzweifelten Aufgabe nicht
        

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