Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618401
Plastik. 
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reicht. 
Phidias. 
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in der Dankbarkeit der Sieger die reichlichste Veranlassung lag. Mehr 
als an irgend einer Stelle Griechenlands aber waren Bedürfniss, Anlass 
und Mittel. hiezu in Athen gegeben, welches 480 und 47g von Xerxes 
und Mardonios verwüstet worden war, wie keine andere grössere Stadt 
Griechenlands, aber auch nach dem Siege bei Mykale durch die Krieg- 
steuern der Bundesgenossen über mehr Mittel gebot als vielleicht die 
anderen hellenischen Republiken zusammen. Wie daher damals Athen 
dem Schutte der Perserkatastrophe die vollendetste Blüthe der helleni- 
schen Architektur entspriessen sah, so sollten neben denselben auch die 
grossartigsten Schöpfungen der Bildnerei erstehen. Doch beides erhob 
sich keineswegs wie mit Zauberschlag aus dem wüsten Boden: die Na- 
tion musste sich erst von der fast übermenschlichen Anstrengung er- 
holen und gleichsam verschnauben, dabei aber zunächst auf Schutz und 
Vertheidigung durch Ummauerung und ferner auf das eigene Obdach 
bedacht sein; dann erst konnte es sich den grossen monumentalen Auf- 
gaben hingeben, deren bauliche Vollendung mehr als ein Menschen- 
alter erforderte und so die Herstellung des plastischen Schmuckes noch 
weiter hinausschob. 
An diesem hatten sonach wenigstens bei den Hauptwerken die bis- 
her behandelten älteren Meister keinen oder nur geringen Antheil. Des 
Themistokles Sinn war zu sehr auf das Praktische, F ortiticatorische ge- 
richtet, als dass er daran denken konnte, seine Künstlerzeitgenossen mit 
monumentalen Aufträgen zu beschäftigen. Sein Nachfolger an der Spitze 
der athenischen Republik, Kimon, des Miltiades Sohn, begann zwar 
den Neubau der bedeutenderen Cultplätze, ohne jedoch diesen soweit zu 
führen, dass der plastische Schmuck, wenigstens in seinen statuarischen 
Hauptbestandtheilen, bereits herzustellen gewesen wäre. Erst unter Pe- 
rikles' Verwaltung reiften die Dinge zur Vollendung heran, und ein 
günstiges Schicksal wollte es, dass gerade in dieser Zeit, in der 
man desselben wie nie vorher bedurfte, auch ein Genie herangereift 
war, unter dessen Leitung die Vollendung eine vollendete werden 
musste. 
Dieser künstlerische Heros war Phidias. Des Charmides Sohn 
und ein Athener von Geburt hatte er als zehnjähriger Knabe seine 
Landsleute 490 v. Chr. unter Miltiades gen Marathon ausziehen sehen, 
und im ersten jünglingsalter den herrlichen Sieg bei Salamis mitgenos- 
sen. Damals vielleicht schon aus der Schule des Hegias, seines ersten 
Lehrers, entlassen, wandte er sich dem Argiver Ageladas zu, der wahr_ 
scheinlich nach Athen gezogen war, um bei dem Wiederaufbau der 
Stadt seine Kunst in uns unbekannt gebliebenen Aufträgen zu verwer-
        

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