Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618248
Plastik. 
Erhaltene Marmorsculpturen aus dem 6. 
jah rh 
Chr 
233 
muthlich von der Lehne eines Marmorsessels, im Louvre zeigt, welches 
drei Figuren aus dem troischen Cyklus, Agamemnon, Talthybios und 
Epe(ios) darstellt. In der Fläche wenig modellirt und hauptsächlich auf den 
hartgeschnittenen Umriss beschränkt, weist dieses an alte Vasengemälde 
erinnernde Werk auf empästische Vorbilder nach Art jener Schildwerke 
mit aufgenieteten Metallsilhouetten oder auf eingelegte Arbeit hin, wie 
diess auch mit der Vasenmalerei der Fall ist, deren engen Zusammen- 
hang mit der Empästik und eingelegten Arbeit ich nicht im geringsten 
bezweifle. Ich nehme desshalb auch keinen Anstand, die magere Vasen- 
bildartige Umrissarbeit des Reliefs von Samothrake als den empästischen 
Styl zu bezeichnen, wie man in der Behandlung des Friesreliefs von 
Assos den Styl des getriebenen Metallblechs erkennen kann. 
Diesen auswärtigen Arbeiten ist von dem eigentlichen Hellas nur 
eine Anzahl gleichartiger statuarischer Werke gegenüberzustellen, welche 
an verschiedenen Punkten Griechenlands gefunden, bei gleicher Dar- 
stellung und Auffassung doch die in der wahren Künstlernatur des 
Griechen begründete individuelle Verschiedenheit der Arbeit verrathexi. 
Es sind ganz unbekleidete Jünglingsgestalten, in steifer Haltung stehend, 
die beiden Arme gerade herabhangend und angelegt, die Beine, von 
welchen das linke etwas vorgestellt ist, getrennt, den etwas vorgeneigten 
geradeaus sehenden Kopf, mit seiner zurücktretenden Stirne, den vor- 
quellenden grossen Augen und den wie lächelnd aufwärts gezogenen 
Mundwinkeln, bedeckt von einem wulstig perückenartigen, tief über die 
Schulter hängenden Haarwerk. Man pflegt sie als Apollostatuen zu be- 
trachten, obwohl der Mangel aller Attribute, deren doch die Incunabel- 
kunst zur Charakterisirung deruGottheit unbedingt bedurfte, dazu keine 
Berechtigung gewählt und um so weniger, als nach Plutarch eine delische 
Apollostatue des Tektaeos und Angelion (Lehrer des Aegineten Kallon 
und somit aus dieser Periode) den Gott mit denselben in den vorge- 
streckten Händen zeigt, welche Haltung auch in älterer Zeit typisch 
gewesen und noch einige Zeit geblieben zu sein scheint (der milesische 
Apoll von Kanachos und der kleine Bronzeapoll im Louvre]. Das 
perückenartige Haar allein kann jedenfalls nichts entscheiden, selbst 
nicht gegen die Annahme von Athletenstatuen, welche zwar zunächst 
in Holz, bald nach 560 v. Chr. aber auch in Stein hergestellt wurden 
(Statue des Arrhachion in Phigalia, von Pausanias VIII. 40, I ganz 
ähnlich beschrieben). Dass von der durch Bursian (A. Encykl. d. W. 
u. K. 82. S. 411) zusammengestellten Reihe das Exemplar von Thera, 
jetzt im Theseion zu Athen, das alterthümlichste, schien dem Verfasser 
angesichts eines Gypsabgusses des letzteren, nach welchem die Zeich-
        

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