Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618235
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zu können. Doch erscheint die Schwäche des Uebergangs von der 
Vorderansicht des Oberkörpers zur Seitenansicht der Beine minder auf- 
fällig, wie an den ägyptischen und assyrischen Denkmälern, und Perseus 
wie Herakles zeigen in den Versuchen der Vermittlung die Freiheit von 
jener typischen Verknöcherung bestehender Fehler, welche die Kunst 
am Nil wie am Tigris charakterisirt. Hat man sich einmal von dem 
ersten Eindruck, den die monströsen weil unproportionirten Gestalten 
machen, befreit, so üben diese Werke den erigenthümlichen Reiz eines 
ernsten Strebens bei noch anhaftender Unbehülflichkeit, das den end- 
liehen Erfolg an gelungenen Einzelheiten unverkennbar andeutet und 
davon wenigstens frische Keime zeigt. 
Nicht dieselbe Selbständigkeit und frische Unmittelbarkeit als Natur- 
studien zeigen die ältesten hellenischen Sculpturen Kleinasiens. Dort 
waren die Einflüsse zu mächtig, die von Mesopotamien, Phönikien, 
Cypern und selbst von Aegypten her sich geltend machten, als dass 
die Kunst sich von ihnen ganz unberührt und lediglich nach den von der 
Natur gebotenen Vorbildern hätte entwickeln können. Denn wenn auch 
die sitzenden Kolosse, welche die heilige Strasse vom Hafen Panormos 
bis zum didymäischen Apollotempel bei Milet zierten, dem Inschrift- 
charaktei" nach ungefähr in die Zeit um 5 30 v. Chr. gehörend, in der 
Behandlung der Körperformen und namentlich der Gewandung mit ihrer 
gleichwohl spärlichen aber naturgemässen Faltenlage das griechische 
naturalistische Element nicht verkennen lassen, so ist doch auch un- 
leugbar, dass die sphinxalleenartige Aufreihung wie die memnonartig 
thronende Stellung dieser Priester und Priesterinnen des Apollotempels 
an ägyptische Ideen, wie die Fülle der Körperformen sammt dem tek- 
tonischeif Detail der Stühle an assyrische oder näher liegende phöni- 
kische Tradition gemahnt. Der letztere Einfluss scheint noch ener- 
gischer aufzutreten an den wohl etwas jüngeren Friesreliefsßdes dorischen 
Tempels von Assos in Troas (jetzt im Louvre) , deren scheinbar hoch- 
alterthümliche Formenrohheit und Unbestimmtheit indess zum grossen 
Theil von dem Abfallen der über das sehr poröse Material gelegten 
Stuckverkleidung herrühren dürfte, in welcher das Bildwerk erst seine 
schärfere Ausführung erhalten hatte. Doch auch in den verwitterten 
Resten ist noch der Einfluss jener Technik in getriebenem Bronzeblech 
zu erkennen, welche wir als syro-phönikisch bezeichnet haben, und die 
in der etrurischen Bronzearbeit, welche sogar verwandte Darstellungen 
geliefert iWagen von Perugiaji, ihre nächste Analogie findet. 
Im interessanten Gegensatz zu diesem weichformigen Bronzeblech- 
styl steht jener Styl, wie ihn ein Relieffragment von Samothrake, ver-
        

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