Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618212
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Hellas. 
fast gar nicht oder nur ganz allgemein über die des Styls dieser Periode 
belehren, wenn wir nicht Gelegenheit hätten, die schriftlichen Nach- 
richten auch mit einigen alterthümlichen Monumenten zu vergleichen, 
welche von einem glücklichen Geschicke uns erhalten und in neuerer 
Zeit in erfreulicher Mehrung begriffen sind. Doch kommt bei Be- 
trachtung dieser noch ein Umstand in Rechnung, welcher zu wenig be- 
tont zu werden pflegt, nemlich die locale Verschiedenheit. Denn nicht 
blos das eigentliche (europäische) Griechenland, sondern auch die 
Hellenencolonien im Osten (Kleinasien) und Westen (Sicilienj liefern 
Beispiele hochalterthümlicher Steinplastik, und die beiden letzteren 
scheinen etwas andere Wege gegangen zu sein, wie das eigentliche 
Hellas. Die Nachrichten aber beziehen sich fast ausschliesslich auf das 
engere Griechenland mit den Inseln, so dass eigentlich nur Denkmäler 
aus diesem Gebiete mit denselben verglichen werden können. 
Wir betrachten jedoch einige auswärtige Monumente voiweg und 
zunächst sicilische, nemlich die Metopenreliefs vom Mitteltempel der 
Akropolis von Selinus, als die ältest datirbaren unter dem erhaltenen 
Vorrath. Selinus nemlich wurde um 628 v. Chr. gegründet. Wenn nun 
auch der Mitteltempel nach Semper und Krell nicht der älteste und 
somit in den ersten Jahren nach der Gründung gebaute zu sein scheint, 
so folgte er jedenfalls frühzeitig seinen Vorgängern,'so dass wir seine 
Entstehungszeit in die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. setzen 
dürfen. Unter zahlreichen Fragmenten des Metopenbildwerks haben 
sich zwei Tafeln (jetzt in Palermo) so viel wie unversehrt erhalten, un- 
schätzbar durch die Deutlichkeit, mit welcher das künstlerische Ver- 
mögen dieser Zeit mit allen noch anhaftenden Schwächen in ihnen sich 
ausspricht. Es wäre freilich falsch, darin eine Probe des Styls von 
Gesammtgriechenland zu sehen; denn jedenfalls spielen die sicilisch- 
dorischen Eigenthümlichkeiten daran eine hervorragende Rolle. Es ist 
ein frischer und gesunder Naturalismus, der uns hier entgegentritt, eine 
sorgfältige Naturbeachtung, soweit das künstlerische Verständniss eben 
reichte. Und diess reichte nicht über die äusseren Glieder hinaus; denn 
während Arme und Beine, Hände und F üsse relativ vortrefflich sind, 
ist nicht ein Gleiches vom Rumpf und von den Köpfen zu sagen, welche 
hässlich plump, unproportionirt und grob verzeichnet sind. Der Con- 
trast ist besonders stark an dem einen der beiden Reliefs, welches He- 
rakles, zwei gebundene Kerkopenkobolde an seinem Bogen  denn dafür 
ist die Tragstange zu halten  tragend darstellt und durch das gelun- 
genere Detail der Beine des Helden überhaupt einen geschickteren 
Künstler verräth, als das andere, Während an diesem (Fig. 175), Perseus
        

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