Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618194
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Hellas. 
mit jedem künstlerischen Fortschritt, während die letzteren, weil sie von 
hieratischer Satzung freier waren, in ihrer Entwicklung ungehemmter 
vowvärtsschiitten. Nur in dem letzteren Gebiete konnte daher der 
strebsame und geniale Künstler der älteren Zeit ein freies Feld seiner 
Thätigkeit finden, und es war ein Glück, dass die Nachfrage in dem- 
selben naturgemäss eine grössere sein musste, als in den mehr ver- 
einzelten Cultbildern, die man sogar gerne von den älteren Heilig- 
thümern auf die an ihre Stelle getretenen Neubauten übertrug. Wie 
ungleichzeitig aber deshalb die Kunst in den beiden Gebieten fortschritt, 
werden wir noch an den äginetischen Giebelgruppen zu ersehen Ge- 
legenheit haben. 
In der Zeit der beiden grossen Chier Bildhauer begann aber die 
Marmorplastik auch an andern Punkten zu blühen. Zunächst in Sikyon 
durch die beiden Kreter Dipoinos und Skyllis, die vielleicht um ein 
Geringeres älter als jene Chier angenommen werden dürfen. Es scheint, 
dass diese nach Sikyon berufen worden sind und dort unter Gründung 
einer Schule ihre hauptsächlichste Thätigkeit entfaltet, zeitweilig aber 
ihre Werkstatt auch in andere Städte, wie Argos, Kleonae und Am- 
brakia verlegt haben. Dass sie ebenfalls parischen Lychnites als Material 
verwandten, deutet auf ihren Zusammenhang mit der chiischen Schule, 
wie die Erwähnung einer Gruppe des Apollon, der Artemis, der Athene 
und des Herakles (Darstellung des Dreifussraubes?) darauf hinweist, 
dass auch sie ihren Ruhm weniger in Cultbildern, wenn auch zwei 
Athenen von ihnen erwähnt werden, als in Gruppencompositionen für 
Architekturausschmückung gesucht haben. 
Obwohl indess diese kretischen Meister nach Plinius' Zeugniss in 
der Marmorsculptur hohen Ruhm erlangten, sind sie uns doch noch 
interessanter als die Begründer der dritten von den genannten statuari- 
sehen Techniken, jener, in welcher später die Plastik durch Phidias den 
Höhepunkt erreichen sollte, nemlich der Goldelfenbeintechnik. Sie 
scheint aus der Uebertragung der eingelegten Arbeit tektonischer Werke, 
wie wir sie an Mobilien schon in heroischer Zeit gefunden haben, auf 
die Rundplastik entstanden zu sein und entwickelte sich in deutlich 
unterscheidbaren Stadien. Denn Dipoinos und Skyllis blieben noch 
bei einer theilweisen Umhüllung des in Holz geschnitzten Werkes stehen 
und beschränkten sich in der Verkleidung auf das Elfenbein, wie eine 
die Dioskuren zu Pferd sammt ihren Geliebten Hiläira und Phoibe nebst 
deren Söhnen Anaxis und Mnasinos darstellende Gruppe im Di0skuren- 
tempel zu Argos zeigte, welche in gewöhnlichem und in Ebenholz ge- 
schnitzt und, soweit aus ersterem, mit Elfenbein verkleidet war. Von ihren
        

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