Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618171
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Hellas. 
So war auch die Erfindung des Löthens gewiss nicht ohne Bedeutung 
und eine Brücke von dem Nietwerk des Sphyrelaton zum Guss, ja 
selbst beim Guss grösserer Werke, welcher wenigstens Anfangs nur 
stückweise ausgeführt wurde, unentbehrlich. Die Erfindung scheint erst 
am Eisen gemacht worden zu sein, und Glaukos von Chios erregte mit 
derselben (im 7. Jahrhundert v. Chr.) um so grösseres Aufsehen, als 
der von Alyates nach Delphi geweihte eiserne Krateruntersatz auch 
sonst ein Kunstwerk und in seinen Beinen und Spangen mit orna- 
mentalem Bildschmuck (in Thieren und Pflanzen) bedeckt war. 
Mit Erfüllung dieser beiden Vorbedingungen war der Boden für 
den monumentalen Erzguss geebnet, welchen die Samier Rhoikos 
und Theodoros, die Söhne des Phileas und Telekles, nicht eigentlich 
erfanden  denn er war schon den Phönikiern {Giesserei bei Scytho- 
polis, vgl. S. 143) bekannt  als vielmehr in Griechenland zuerst und 
namentlich plastisch anwandten. Ueber ihre Zeit gehen die Ansichten 
um mehr als ein Jahrhundert auseinander (vom Anfang des 7. bis zum 
Anfang des 6. Jahrhunderts V. Chr), doch bleibt es sicherer, sie mit 
Brunn in den Ausgang dieser Periode zu setzen und zwar ohne den 
Namen des Theodoros durch die Annahme eines altern und eines 
jungem zu verdoppeln. Die Neuerung wird wohl mit dem Massivguss 
kleinerer Werke begonnen haben; ob sich aber die beiden Genannten 
darauf beschränkten, ist sehr zweifelhaft, da Materialersparung und 
Gewichtsverringerung bei grösseren Dimensionen nothwendig auf den 
Hohlguss mit feuerfestem Kern führen musste, und vielleicht erst dieser 
Fortschritt die beiden Künstler zu Erfindern und berühmt machte. 
Indess mochte die Entwicklung der Technik langsam vor sich gegangen 
sein und Anfangs die künstlerische Seite beeinträchtigt haben; wenig- 
stens berichtet Pausanias von einer weiblichen Statue des Rhoikos (an- 
geblich Styx) im Artemistempel zu Ephesos, dass sie noch alterthürn- 
licher und roher gewesen sei, als eine gleichfalls bronzene Athene in 
Amphissa, welche man dort (fälschlich) troisch nannte. Dass die beiden 
Samier auch noch in der alten getriebenen Arbeit thätig waren, erhellt 
z. B. aus dem kolossalen von Theodoros gefertigten und von Krösos 
nach Delphi geweihten silbernen Mischkrug von 600 Amphoren (an 
200,000 Liter) Gehalt, oder aus einem goldenen Weinstock mit Trauben 
von gefassten Edelsteinen und einer goldenen Platane im Besitz der 
Perserkönige, welche letzteren Werke an Vorbilder in den assyrischen 
Palästen erinnern, von deren Existenz Reste von Palmen aus Goldblech, 
die neuerlich durch V. Place im Sargonspalast (Khorsabad) an einem 
Portale gefunden wurden, Zeugniss geben. Wenn Theodoros demnach
        

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