Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618148
Plastik. Steindenkmale der heroischen Periode. Beginn der historischen Zeit. 2  
Leistungen einflussreiche Vermittlung. Von diesen Nachbarn borgten 
auch die lykischen Kyklopen, welche der Sage nach die merkwürdige 
Steinsculptur fertigten, ein Werk, das allem Anschein nach ziemlich 
vereinzelt stand und dessen Technik nicht national und heimisch werden 
konnte, so lange das Kunstbedürfniss noch an der Decoration tekto- 
nischer Gebrauchsgegenstände sein Genügen fand und der Drang nach 
monumentaler Kunst, der erst mit der Vollendung des Säulentempels 
erwacht zu sein scheint, noch nicht erschlossen war. 
Selbst in den zwei ersten historischen Jahrhunderten nach dem 
Anfang der Olympiadenrechnung, vom Beginn des achten bis zu dem 
sechsten Jahrhundert, scheint sich die Kunstthätigkeit in ihrer Richtung 
wenig verändert zu haben. Die statuarische Kunst, von handwerklichen 
Bildschnitzerinnungen oder Familien in Athen, Argos und Sikyon ohne 
weiteren Aufschwung (dädalisch) vertreten, bleibt in gleicher Weise 
zurück hinter der decorativen, welche wenigstens in Bezug auf die Dar- 
stellungen sich neue Gebiete eroberte. Beschränkten sich nemlich diese 
in der heroischen Zeit in der Hauptsache auf Scenen aus der nächsten 
Wirklichkeit, so lag jetzt der bildsame Schatz der Heldensage poetisch 
vorgebildet für die Bildnerei bereit, seit die homerischen Gesänge Eigen- 
thum der Nation geworden waren, Arktinos von Milet (um die Mitte des 
8. Jahrhunderts] und etwas später Lesches von Lesbos, die Ilias weiter- 
führend, den Untergang Troia's besungen, Stasimos aus Cypern aber 
die der llias vorausgehenden Begebenheiten zu seinem Stoffe gewählt 
hatte, während anderseits die Odyssee ihre Parallelen, ausserdem aber 
in der Thebais auch der Zug der sieben Helden gegen Theben, dann 
die Sagen von der Titanomachie, den T haten des Herakles und des 
Theseus ihre epische Darstellung gefunden hatten. Das Epos hatte 
der Plastik nicht blos die Gegenstände geliefert, sondern sie auch in 
plastischer Anschaulichkeit vor-gebildet, die Vorlagen geschaffen. aus 
welchen jetzt die Bildnerei in vollen Zügen schöpfte. 
Diess zeigen namentlich die beiden Hauptwerke dieser Zeit, die 
Lade des Kypselos im Heräon zu Olympia und der von Bathykles aus 
Magnesia gefertigte Thron des amykläischen Apollo. Die erstere, ein 
muthmasslich oblonger Schrein aus Cedernholz, den Kypselos, Tyrann 
von Korinth, zur Erinnerung an seine Rettung in einem solchen F rucht- 
kasten, in welchem er als Kind versteckt den Verfolgungen der 
Bacchiaden entgangen War, llaCh Olympia geweiht hatte, war entweder 
an den drei Seiten (mit Ausschluss der angelehnten Rückwand) oder 
nur an der länglichen Vorderseite mit Bildwerk bedeckt, das sich in fünf 
muthmasslich ungleich breiten Streifen übereinander hinzog (vgl. Skizze 
REBER, Gesch. d. a. Kunst. I8
        

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