Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618128
Plastik. 
Empästischer Schildschmuck. 
Erhaltene Steinmonxlmente. 
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den vier schmalen Stahlstreifen in einer sinnvollen von Brunn zweifellos 
richtig gewürdigten Weise. Während nemlich in jenen Gruppen das 
Princip der radianten Linien an den Figuren vorherrscht, macht sich 
hier das der periphcrischen entschieden geltend. So an den nicht 
aufrecht wie die Menschen einherschreitenden Ebern und Löwen des 
innersten Stahlringes, bei welchen im Gegensatze zu den aufrecht- 
schreitenden Menschen die Horizontale überwiegt, ferner auf dem 
nächstfolgenden in dem durch einen Fischer staffirten Hafen mit fisch- 
reichem Wasser, über welches gedehnten Laufes der von den Gor- 
gonen verfolgte Perseus hineilt, dann an dem gestreckten Laufe des 
Wagenrennens auf dem dritten Streifen, und endlich nicht minder an 
dem Okeanos mit Fischen und Schwänen des äussersten vielleicht eben- 
falls stahlbeschlagenen Ringes, welcher wie am homerischen Schilde in 
den unfehlbar stylisirten Wellen selbst eine ornamentale Peripherie und 
einen dem Sinne wie der Linienführung nach höchst befriedigenden 
Abschluss darstellt. 
Unsere Anschauung der bildnerischen Thätigkeit Griechenlands im 
heroischen Zeitalter stellt sich demnach neben dürftigen Notizen pro- 
saischer Gewährsmänner fast ausschliessend aus Dichtern her, welchen 
behufs Verkörperung ihrer natürlich poetisch gesteigerten Schilderungen 
nur die Analogien ninivitischer Reliefs und namentlich altgriechischer 
Vasenbilder unterstützend zur Seite stehen. Doch fehlt es auch nicht 
gänzlich an erhaltenen Werken jener Periode, von welchen freilich einige 
zwar hochalterthümliche aber doch schwer datirbare kunstgeschichtlich 
unbrauchbar sind. Sicher in Bezug auf ihre Hierhergehörigkeit sind 
nur zwei, und auch von diesen entzieht sich das eine, die schon in der 
Ilias (XXIV. 613) erwähnte Niobe am Berge Sipylos bei Magnesia eben- 
falls der stylistischen Charakterisirung. So grob gearbeitet oder so 
verwittert, dass schon ein antiker Augenzeuge (Pausanias) sagt, sie sei 
in der Nähe nur ein rauhes Gestein, welches das Bild einer mensch- 
lichen Figur gar nicht erkennen lässt und nur für die Ferne eine wei- 
nende und niedergebeugte Frau darstellt, was sich bei Wiederauffindung 
des dreifach lebensgrossen Felsenreliefs in neuerer Zeit bestätigt fand, 
machte es nicht einmal die Herstellung einer befriedigenden Zeich- 
nung der unklaren Formen möglich. Um so bedeutender aber ist ein 
zweites ebenfalls vorhomerisches Denkmal, das ältest bekannte Bildwerk 
Griechenlands und Europas, nemlich das Relief über dem von ihm 
sogenannten Löwenthor von Mykene, dem als Zeugen vom Auszug des 
Agamemnon und vom Untergang seines Hauses ehrwürdigen Haupt- 
thore der Atridenburg daselbst (Fig. 173). In architektonischer Hin-
        

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