Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618075
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Hellas. 
frommen Sage des Alterthums erklären dülfen, das Götterbild habe sie 
vor irgend einem Frevel geschlossen, sondern vielmehr dahin, dass das 
Auge etwa nur mit einem horizontalen gemalten Striche angedeutet 
gewesen sei. 
Ueber diese rohe Puppenbildung nun soll Dädalos hinausge- 
gangen sein und der Kunst erst den Weg gebahnt haben. Zugleich 
als der Erfinder der zur Holzarbeit nöthigen Instrumente: Axt, Säge, 
Bohrer, Bleiloth, Fischleim genannt, Wird ihm auch die nähere Aus- 
bildung der Körperformen zugeschrieben, so die Oeffnung, d. h. wohl 
die Bildung des vorher nur angedeuteten Auges und die Trennung der 
Füsse in Schrittstellung. Wir dürfen uns auch diese Fortschritte noch 
nicht sehr namhaft vorstellen und von der Sage, dass man die Bild- 
werke der '1'1'ennung der Beine wegen binden musste, damit sie nicht 
davonliefen, nicht auf frappante Lebendigkeit undVollendung schliessen, 
sonst würden nicht classische Gewährsmänner, welche solche angeblich 
dädalische Werke kannten, sagen, sie seien nwunderlich anzuschauenii 
(Pausanias) , oder i) ein Dädalos würde sich in späteren Zeiten mit solchen 
Arbeiten lächerlich gemacht habenai Mit der Persönlichkeit des Dädalos 
aber verhalt es sich nicht viel anders wie mit den Daktylen und Tel- 
chinen in der Metallarbeit: der Name Daedalos (Bildschnitzer) ist nem- 
lich wieder nichts anderes als eine Personification der Holztechnik und 
ein Collectivname für die zu grösserem künstlerischen Aufschwung ge- 
langte Holzschnitzerei. Wie diese _aus dem Handwerk sich entwickelt 
hatte, so nannte auch die Sage den Palamaon (Handwerker) oder 
Eupalamos (geschickten Handwerker) den Vater des Dädalos. Auch 
dessen angebliche Reisen, wie von Athen nach Kreta, Sicilien, Theben, 
Pisa, Aegypten u. s. w. beruhen einfach auf dem Vorkommen sog. 
dädalischer Werke an diesen Platzen. 
In homerischer Zeit (g. Jahrhundert v. Chr.) galten dädalische Werke 
als hochbedeutend und zugleich als alt, so dass wir deren Periode und 
den Beginn der Bildschnitzkunst etwa in das 10. Jahrhundert setzen 
dürfen. Das einzige Schnitzbild, das Homer direct erwähnt, die sitzende 
Athenestatue zu Troia, der die Troianerinnen ein Gewand auf die Kniee 
legen, wird der homerischen Vorstellung in dädalischer Art und über- 
diess wirklich bekleidet vorgeschwebt haben. Darf man Il. I. 14 auch 
auf ein Apollobild schliessen, so war diess wohl ebenso wie die Athene 
wenigstens theilweise in Gewand gehüllt, von der Stirnbinde ist sogar 
ausdrücklich die Rede. Neben diesen Puppenbildern fehlt es aber auch 
nicht an metallblechbekleideten; denn es ist wohl kaum zu bezweifeln, 
dass man sich die goldenen und silbernen Hunde und die goldenen
        

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