Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618050
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Ilellas. 
in ihren Anfängen es sich so leicht als möglich machte, und ihre statua- 
rischen Bildungen dem Materiale, sei diess nun ein Holz- oder Stein- 
balken, möglichst knapp anpasste, so sollte man darin noch nicht die 
Abhängigkeit von ägyptischen Werken erkennen wollen. 
Etwas anders verhält es sich mit der erst in neuerer Zeit entschie- 
dener geltend gemachten Beeinflussung der ältesten Bildnerei Griechen- 
lands durch die vorderasiatische Kunst. Es ist schon in dem Abschnitte 
über hellenische Architektur dargelegt worden, dass die hervorragend- 
sten Motive des ionischen Styls auf diese Wurzel zurückleiten und dass 
die mesopotamischen Reiche als der Herd zu betrachten seien, von wel- 
chem aus die Cultur der asiatischen Westküsten ihre erste Nahrung 
empfing. Diess gilt nicht allein für die Architektur, sondern in gleicher 
Weise für die Plastik, in beiden Gebieten jedoch so, dass die glänzend 
entfalteten Blüthen die orientalischen Keime oder wenigstens Einflüsse 
bald kaum mehr verriethen. Die mesopotamische Kunst hatte einen 
wesentlich anderen Ausgangspunkt genommen wie die ägyptische, der 
jedoch der griechischen Anschauungsweise näher stand, nemlich statt 
in ägyptischer Weise die menschliche Gestalt zum blossen Schema zu 
abstrahiren, wendete sie sich der wirklichen Erscheinung zu und nahm 
so einen entschieden realistischen Anlauf. In der Weiteren Entwicklung 
aber ging sie, wie schon dargestellt worden ist, in Bezug auf den Rea- 
lismus in dem Maasse zu weit, in welchem die ägyptische hinter der 
Wirklichkeit zurückblieb, worauf dann die Selbstgenügsamkeit des 
Orients jenes Halt gebot, das allenthalben den Lebensnerv der Kunst 
seiner Culturvölker durchschnitt. Die gewonnenen Formen erstarrten 
auch hier wie am Nil zu stylisiiten Typen, nur mit dem Unterschiede, 
dass die ägyptischen Bilder sozusagen mehr den Charakter der Schrift, 
die mesopotamischen mehr den des Ornaments gewannen. 
Weil aber der hellenische Genius nur in der Zeit seiner Unmündig- 
keit sich auf solchen verkümmernden Standpunkt stellen konnte, finden 
wir die Spuren des Einflusses der vorderasiatischen Cultur in Bezug auf 
die Plastik fast nur in der ältesten Periode, aber dafür in dieser in der 
unverkennbarsten Weise. Wir können diese das heroische Zeitalter 
nennen und begreifen darunter die Epoche von den frühesten Zeiten bis 
zum Beginn der Olympiadenrechnung (776 v. Chr.). Selbst die einhei- 
mischen Sagen von den Anfängen der hellenischen Kunst weisen nach 
dem Osten. Wie die mythischen Begründer monumentaler Bauthätig- 
keit, die Kyklopen, welchen auch die älteste Steinsculptur (am Löwen- 
thor zu Mykene) zugeschrieben wird, aus Lykien gekommen sein sol- 
len, so erscheinen auch die Daktylen (Finger) zu dreien , Kelmis.
        

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