Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1618049
Plastik. 
Kein Zusammenhang mit Aegypten. 
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Werken durch die hochsitzenden Ohren, die langgeschlitzten etwas 
schief gestellten Augen, die breiten Wenig erhöhten Nasen, die wulsti- 
gen Lippen scharf von den althellenischen unterscheiden. Ferner ist die 
ägyptische Gestalt schlank, die althellenische (Selinunt) gedrungen; 
die Schultern sind dort hoch gezogen und breit, hier herabhängend 
und schmal, die Hüften dort eingezogen, hier breit (Apoll von Tenea 
und von Thera). Das Gewand an ägyptischen Werken ist elastisch und 
daher ohne natürlichen Fall und entsprechende Faltenbildung so um 
den Körper gespannt, dass man oft nur die Enden erkennt, oder in 
breiter Masse eckig und schwer zusarnmengedrängt; das wenige Stoff- 
liche dagegen, was an althellenischen Werken erscheint, zeigt schon 
von vornherein sorgfältige Naturbeobachtung: Fall und Drapirung, er- 
freulich selbst an misslungenen Versuchen, weil auch diese das Bemühen 
des Künstlers verrathen. Denn wie selbst die fehlerhaften freien Zeich- 
nungen eines talentvollen Knaben, der Gesehenes wiederzugeben ver- 
sucht, als hoffnungerweckend mehr anregen als die Patronen- und Pau- 
senarbeit eines Handwerkers, so lassen auch die ältesten griechischen 
Arbeiten bereits das noch schlummernde Talent und die Entwicklungs- 
fähigkeit ahnen, welche der handwerklich tüchtigen Kunst Aegyptens 
fehlen. 
 Im Zusammenhalt mit diesen gewichtigen Gründen gegen die Ab- 
hängigkeit der ältesten griechischen Plastik von der ägyptischen müssen 
die beiden Umstände unzulänglich erscheinen, Welche allenfalls noch 
dafür geltend gemacht werden können. Erstlich die Ansicht mehrer 
alten Schriftsteller, welche zwar den Satz nicht ausdrücklich ausspre- 
chen, aber doch unverkennbar andeuten, dass sie die älteste Plastik 
Griechenlands der ägyptischen für verwandt halten, und da die letztere 
weitaus älter war, auch in einem entsprechenden Abstammungsverhält- 
nisse zu dieser sich dachten. Ein Diodor und ein Pausanias aber nah- 
men es mit ihren Kunsturtheilen bekanntlich nicht sehr genau und Ver- 
traten in diesem Fall auch so wenig die allgemeine Ansicht des Alter- 
thums, dass sie nie Gelegenheit nahmen, die Sache zur bestimmteren 
Behauptung zu formuliren. Sie liessen sich täuschen durch eine gewisse 
äusserliche Aehnlichkeit, welche auch Neuere getäuscht hat und als 
weiterer Grund für die Abstammung des Hellenischen vom Aegyptischen 
geltend gemacht worden ist. Diese Aehnlichkeit beruht zunächst in 
jener Steifheit statuarischer Werke, welche jeder primitiven Kunst eigen 
ist; dann aber in dem Engangeschlossenen und Gestreckten der Arme 
und Beine, welche die gleichfalls ursprüngliche Oekonomie in Material 
und Arbeit hier wie dort auferlegte. Wenn aber die griechische Kunst
        

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