Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617997
258 
Hellas. 
geeignet, mit marmornen Sitzbänken verkleidet; an Erdhügeln waren 
bedeutendere Unterbauten nöthig. 
Dem Theaterbau scheint die Anlage von Odeen, theilweise be- 
deckten Theatern für musische Festvorstellungen, vorausgegangen zu 
sein, von welchen die Skias in Sparta, ein wenigstens annähernd kreis- 
formiges Gebäude mit Zeltdach, das ältest bekannte aber wahrschein- 
lich nach kleinasiatischem Vorbilde erbaut ist, jedenfalls wurde ein 
samischer Architekt, Theodoros des Telekles Sohn, zu dessen Herstel- 
lung nach Sparta berufen. Aehnlicher Art war auch das Odeion am 
Ilissos zu Athen, wahrscheinlich wie jenes grösstentheils in Holz ausge- 
führt. Für den Theaterbau im engeren Sinne aber scheint besonders 
das neuerlich wieder aufgedeckte steinerne Theater am Südostfusse der 
Akropolis von Athen epochemachend gewesen zu sein. 
Neben den öffentlichen Bauwerken verschwinden die Privatgebäude 
vollständig. Dass wir kein Beispiel eines griechischen Wohnhauses 
mehr besitzen, ist ein Beweis, dass dieses stets eine untergeordnete Rolle 
spielte, durch welche die Familie im hellenischen Staatsleben über- 
haupt aus dem Gesichtskreis gerückt erscheint. Es war lediglich der 
Schauplatz der Frauenthätigkeit und in grosser Anspruchlosigkeit nach 
Innen gewendet, wo sich schlichte und beschränkte Räume um den Hof 
als Mittelpunkt gruppirten. Das Leben des hellenischen Bürgers spann 
sich ausser dem Hause auf den Marktplätzen, in Gymnasien und Stoen 
ab, und nur zu Mahlzeit und Ruhe suchte dieser die Zurückgezogenheit 
des Familienlebens. Diess war aber von der Aussenwelt dadurch völlig 
abgeschieden, dass die Wohnräume gar nicht nach Aussen sahen, indem 
die der Strasse zugewandte Fronte ganz unansehnlich und unbenutzt 
war, wodurch sich wie durch die Beschränkung der Haupträume auf das 
Erdgeschoss, das antike Haus hauptsächlich von dem modernen unter- 
schied. Den Zimmern war mit Ausschluss etwa des Speisezimmers we- 
nig Aufmerksamkeit gewidmet; meist lediglich durch die Thür beleuchtet 
boten auch ihre fensterlosen Wände keinen Anhalt für architektonische 
Ausbildung; diese beschränkte sich daher auf den Hof, dessen rings- 
um geführter Säulengang zugleich Vorsaal der Gemächer und dessen 
den Familienherd enthaltende Ausweitung an einer Seite (Parastas), 
der gewöhnliche Versammlungsraum der Hausgenossen, wenigstens 
räumlich nicht unbedeutend war. Zu einer Steigerung des Wohnhauses 
zum Palastbau fehlte es lange Zeit an Veranlassung; denn in der Anak- 
ten- und Tyrannenzeit war die Architektur hiezu noch zu unentwickelt, 
und dann missfiel der republicanischen Gleichheit jede häusliche Osten- 
tation.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.