Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617680
Architektur. 
Der ionische Styl. 
Base und Capitäl. 
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'musste daher aufgegeben und ein breiter Steg, der die Cylinderform des 
Schaftes darstellte, an deren Stelle gesetzt werden. In Bezug auf Wech- 
sel von Licht und Schatten und auf Belebtheit des, Schaftkörpers wurde 
damit wesentlich gewonnen, dafür aber der ursprüngliche Entstehungs- 
gedanke der Canellur aus dem polygonen Pfeiler ganz aufgeopfert, in- 
dem jetzt durch die Stege die Cylinderform als ursprünglich ausgespro- 
chen war. Sehr erschwert ward endlich die Herstellung des Schaftes 
durch An- und Ablauf, nemlich durch die hohlkehlenartigen Ausladun- 
gen am Anfang und Ende des Schaftes, welche aus der Verbindung von 
plättchenartigen Zwischengliedern mit dem Schaftkörper entstanden und 
allerdings dem Rhythmus des Säulenproüls sehr förderlich waren, indem 
nun vom Boden auf Hohlkehle, Rundstab und wieder Hohlkehle folgte 
und dem Rundstabprofil des unteren Capitälgliedes ebenfalls eine Hohl- 
kehle vorausging. Die Canelluren aber fanden ihrem Profil sehr ent- 
sprechend unten und oben vor der Ausladung des An- und Ablaufs 
einen halbkreisförmigen Abschluss. 
Das Capital endlich bestand zunächst aus dem von der dorischen 
Säule entlehnten Echinus, an welchem jedoch das dort manchmal auf- 
gemalte Blattornament des sog. lesbischen Kyma bereits sculpirt auf- 
tritt und eine Perlenschnur (Astragal; an der Stelle der Anuli (Ringe) 
am Eehinusansatze erscheint. Dieses Capitälglied wird von einem ZWCl- 
ten grösstenth-eils überwuchert, welches dem ganzen Styl sein auffällig- 
Stes Charakteristicum liefert, nemlich von dem Spiralenpolster. Seit 
dieser an assyrischen Reliefs als Capitäl gefunden ward, sind alle alten 
Erklärungen, wie die VitruvÄs, nach welcher sie die Locken der in ihrer 
weiblichen Schlankheit, reichen Gewandtlrapirung (Canellurenji und Be- 
schuhung (Base, als Frau gedachten ionischen Säule, oder die aus dem 
Motive von spiralischen Muscheln oder von Widderhörnern, welche ur- 
sprünglich als "fempelschmuclt gedient haben sollten, ja selbst die von 
einem elastischen Polster, welcher durch die daraufgesetzte Last beider- 
seits herausquellen, durch eine gewisse innewohnende Kraft aber seine 
Enden wieder spiralisch aufrollen sollte, gefallen, und wir müssen in dem 
Volutenglied das vom Osten her importirte Capitäl erkennen, das frei- 
lich in barbarischen Händen sich nicht vom blossen Ornament, das 
ebenso senkrecht an Mobilienbeinen (vgl. Fig. 75) oder an persischen 
Säulen (vgl. Fig. 74) angewandt werden konnte, zum bedeutungsvollen 
und sein Wesen erfüllenden Architekturgliede gestaltet hatte. Denn 
dadurch, dass man in Assyrien das Volutexiglied verdoppelte, leistete 
es noch keineswegs seinen Dienst als ausladende Vermittlung zwischen 
verticaler Stütze und horizontaler Last. Der Grieche erkannte, dass ein 
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