Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617579
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Hellas. 
namentlich die bis zur Schwächlichkcit schlanken Triglyphen, im Uebri- 
gen ist das Gebälk noch schwer und lastend. Die Anwendung des Mar- 
mors kömmt zugleich immer mehr zum Durchbruch und verdrängt die 
Detailausführung in Stuck, jedoch keineswegs die Bemalung, welche 
aber in den Ornamenten, statt der früheren düstern Farben, bereits 
die heiteren, blau, roth und gelb, wählt. 
Das imposanteste, weil erhaltenste Beispiel dieser Kolossalwerke 
aus dem Ende des sechsten Jahrhunderts v. Chr. ist der herrliche P0- 
seiclontempel von Pästum mit doppelgeschossigen Saulenreihen im In- 
nern und demnach wahrscheinlich hypäthral, ohne darum blosser Fest- 
tempel zu sein, wie der vor demselben befindliche Altar lehrt. Die Tri- 
glyphen sind noch nicht von den Naoswänden verschwunden, obgleich 
die Construction sonst keine Ursprünglichkeit, sondern bereits ihre volle 
Steindurchbildung zeigt (Fig. 142,. Aehnlicher Art ist der grosse sog. 
Heraklestempel von 
0 o 61b o o o o 0 0 o 0 0 Akragas (Capitäl- 
.  . Profil Fig- 138i- 
. .  k: . dem sichmder nicht 
 sehr viel Jüngere Ju- 
. .  In . notempel daselbst 
.   C anschliesst, der je- 
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Fig. 142. Grundriss des Poseidontempels zu Pästunx. gewaltigen Dimen_ 
sionen ist. Dafür 
wurden in dem Zeustempel derselben Stadt die grössten Dimensionen 
angestrebt, welche die griechische Cultarchitektur überhauptgewagt 
hat, und zwar grösser als sie der Säulenbati und das Material zu ge- 
statten schienen, wesshalb das Werk überhaupt einen monströsen Ein- 
druck machen musste. Der Tempel war heptastyl, d. h. in der Fronte 
siebensäulig, wonach der normale Eingang in der Mitte unmöglich war; 
unterschied sich aber noch mehr dadurch von andern hellenischen Tem- 
peln, dass der Naos nicht von einer freien Säulenstellung umzogen, 
sondern diese nur in Halbsäulenform aus einer ringsumgeführten Um- 
mauerung angedeutet ward. Ob dieser eigenthümliche Pseudoperipteros 
lediglich dem in unzureichenden Blöcken brechenden Material seine ab- 
norme Entstehung verdankt, oder ob auch noch andere Gründe zu die- 
ser Missgestalt und Negation des Säulenbaues, wie wir sie im römischen 
Raumbau besser begründet Wieder finden werden, hinzutraten, wird 
schwer zu entscheiden sein. Jedenfalls war dadurch eine wesentliche 
Umgestaltung der ganzen Anlage bedingt, wie der beifolgende Plan
        

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