Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617539
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Hellas. 
geöffnet war, möglicherweise selbst in diesen Tagen durch Segel- oder 
Purpurtuchüberspannung geschützt. Die Weihegeschenke aber standen 
in den Säulengallerien und namentlich die Hauptbilder in Gold und El- 
fenbein in kapellenartigen Umschliessungen, durch Vorhänge und Um- 
wickelung sogar noch besonders verwahrt. Nur mit Annahme des Hyp- 
äthraltempels können wir zur vollen Würdigung eines Parthenon und 
eines jupitertempels von Olympia gelangen, deren harmonische Pracht 
in jenen weltberühmten Werken der Plastik gipfelte, die Phidias gar 
nicht geschaffen haben Würde und die Niemand hätte völlig geniessen 
können, wenn sie für einen kellerhaft dämmernden Raum bestimmt 
worden wären. Wie aber das Hypäthrum hergestellt war, ist bei den 
dürftigen Erwähnungen desselben durch Vitruv unklar, wahrscheinlich 
nach Bötticher's Annahme so, dass vom Ausschnitte an Pultdächer nach 
den Seiten abfielen, wodurch allerdings für das Innere die Schwierigkeit 
einer schlottartigen Ueberhöhung sich ergibt, welche BlouetsRestau- 
ration mit ihren nach aussen und innen abfallenden Satteldächern ver- 
meidet, dafür aber durch die zum Theil nach innen geleitete Traufe wie 
durch den sich auf diese Weise vergrössernden Dachausschnitt die 
Schwierigkeit noch vermehrt. 
Wenden wir uns nun nach dieser allgemeinen Darlegung des dori- 
schen Tempels zu den erhaltenen Denkmälern im Einzelnen, um die 
historische Entwicklung dieses Styles an ihren Gruppen wenigstens für 
gewisse Perioden nachzuweisen. Die ältesten Säulentempel finden sich 
nicht im Mutterlande, sondern vielmehr in alten Colonien der unteritali- 
schen und sicilischen Küste. Sie unterscheiden sich von späteren Wer- 
ken bestimmt durch ihre naive Formenfreiheit und Eigenartigkeit wie 
durch den Mangel einer streng systematischen Durchbildung, gleichsam 
des canonischen Typus. Die Detailausbildung ist so sorgfaltig, als sie 
der etwas poröse Kalkstein erlaubt. Die Säulen stehen von einander 
so weit ab, dass die sich daraus ergebende gedrückte Gesammtwirkung 
auch durch den hohen Stereobat nicht gehoben werden kann; die be- 
deutenden Abstände der Säulen von den Naoswänden aber zwängen 
den Naos zu corridorartiger Schmalheit zusammen, welche um so auf- 
fälliger erscheint, als das Ganze sehr langgestreckt ist ig. 132). 
Die Säulen selbst sind niedrig, insgcsammt weniger als fünf untere 
Durchmesser in der Höhe erreichend, stark verjüngt und geschwellt, 
in ihrem Schaft monolith und in sechzehn oder zwanzig Furchen seg- 
mentförmig canellirt. Der Fugeneinschnitt unter dem Capitälstück, d. h. 
unter dem Hypotrachelion, wird mit Vorliebe bis zu dreifacher Wieder- 
holung vermehrt. Der Säulenhals ist an den sicilischen Tempeln nicht
        

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