Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617489
Architektur 
Der (lorische Peripteros. 
207 
des Parthenon eine Ueberhöhung von o,228' bei einer Breite von 1o1,3', 
an einer Langseite aber o, 355 bei 228,1' Länge ergaben. Es finden 
sich daher auch am ganzen Gebäude keine genau rechteckigen Formen, 
was jedoch nur an wenigen Stücken wahrnehmbar, an den trapezför- 
migen Eckmetopen jedoch deutlich kennbar ist. Nachdem Bötticher die 
ursprüngliche Existenz der Curve bestritten, wie ja Penrose selbst die 
Einwärtscurven als nicht beabsichtigt, sondern durch die Parthenonex- 
plosion 1687 bewirkt darstellt, sucht Ziller noch einiges zu ergänzen 
und die Sache scheint nun allerdings so zu liegen, dass die Annahme 
der Ursprünglichkeit der Curvaturen, welche der Verfasser selbst vor 
einigen Jahren noch bezweifeln zu müssen glaubte, mehr und mehr für 
sich gewinnt. 
Wenn wir uns aber fragen, was der Grund eines solchen die Anlage 
so wesentlich erschwerenden Raffinements gewesen sein könne, so dür- 
fen wir zwar den handwerklich praktischen Grund des verbesserten Was- 
serablaufs nicht ganz verwerfen, können ihn aber doch nicht als den 
entscheidenden bezeichnen, denn das Hauptmotiv scheint ein optisches 
gewesen zu sein und ist im wesentlichen dasselbe wie für die Schwellung 
der Säulen und die Neigung derselben nach Innen. Verzeichnet man 
nemlich zwei Säulen ohne Schwellung neben einander, so wird das In- 
tercolumnium in der Mitte sich zu schwellen, jeder Schaft aber sich in 
der Mitte zu verjüngen scheinen, während eine leise Schwellung der 
Schäfte diese doppelte optische Täuschung wieder paralysirt, und selbst 
eine stärkere Schwellung, als wir sie an Monumenten angewandt finden, 
nicht so unangenehm wirkt, als gar keine. Dasselbe gilt auch von den 
Horizontallinien, wobei zu bemerken ist, dass des Standorts des Be- 
schauers wegen auch die Stylobatlinie an dieser convexen Bildung theil- 
nehmen muss, während sie doch vielmehr eine concave sein müsste, 
wenn das Auge in mittlerer Säulenhöhe anzunehmen wäre. Diese opti- 
sche Täuschung hinsichtlich der Horizontale wird besonders an einer, 
Giebelverzeichnung klar, an welcher eine gerade Basenlinie unfehlbar 
nach unten eingesenkt erscheint, während selbst eine Stark nach Oben 
gebogene als eine gerade sich dem Auge darstellt. 
Den angestrebten Effect aber konnte diese convexe Curvatur nur 
in einiger Entfernung haben. da beim Nähertreten in dem Grade, als die 
Längendifferenz vom Auge zum Mittelpunkte und vom Auge zu den 
Ecken z. B. einer F ronte wuchs, die Mitte so gewiss zunehmend höher 
wie die Ecken erscheinen musste, als aneinem rechtwinkligen Dreieck 
die Endpunkte der Hypotenuse weiter entfernt sind, wie die einer 
Kathete. Es wurde also dadurch die convexe Curvatur nicht blos
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.