Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617448
Architektur. 
Jrische Peripteros. 
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dieser exacten Uebereinstimmung zwang. Ferner liess die Decoration 
der Unterfläche das ursprüngliche Vorbild eben so deutlich erkennen, 
wie im Fries die Triglyphenbildung; man findet ncmlich die Sparren- 
köpfe noch durch die Imitation der vielfach durch Nägel (18 an der 
Zahl) angehefteten Dielenstücke (Mutuli) charakterisirt, welche in ihrer 
Behandlung den Tropfenleisten verwandt sind. Wie sich aber die Tri- 
glyphen im Steinbau verdoppelten, so geschah diess auch bei den Muttili, 
ja man brachte sogar je ein solches hängendes Dielenstück noch über 
jede Metope an, indem man freilich diese weitere Vermehrung anfangs 
nur mit Stücken von halber Breite versuchsweise begann. Dadurch 
gliederte sich das Ganze in wohlthätiger Weise reicher, je weiter der 
Bau aufwärts stieg, indem auf eine Säule zwei Triglyphen und vier 
Mutuli trafen. Bemerkenswerth ist noch, dass, um die Decoration durch 
Allseitigkeit noch harmonischer zu machen, diese Mutuli auch an Fronte 
und Rückseite angebracht Wurden, was sammt der Schrägneigung des 
Kranzgesimses an diesen beiden trauflosen Seiten als eine von jenen 
Concessionen zu betrachten ist, welche man der genetischen Bedeutung 
des Gliedes entgegen der monumentalen Erscheinung des Ganzen ma- 
chen zu müssen glaubte (vgl. Fig. 128). 
Das Geison, nach vorne von einfach senkrechtem Profil, schliesst 
mit dem sog. dorischen Kymation ab, ein dem Hohlkehlengesimse 
Aegyptens und Mesopotamiens verwandtes Bekrönungsglied, dessen 
Proül auch durch die aufgemalte Blattbemalung sich erklärte. Das 
leichte Ueberneigen der oberen Blattenden sprichtdas Abschliessende 
und nicht weiter oder nur mehr wenig Belastete des obersten Bekrö- 
nungsleistens in ansprechendster NVeise aus. Der darüber gesetzte Rinn- 
leisten (Sima) zeigt dann ein schöngeschwungenes Wellenprofil, das an 
den Langseiten, wo indess die Sima häufig sich auf die Eckansätze be- 
schränkt, durch Löwenköpfe unterbrochen wird, die jeder Säule ent- 
sprechend angebracht als Wasserspeier aus durchbohrtem Rachen das 
Wasser über die Stylobatstufen hinausschleudern sollten. 
Die Deckung endlich War wenigstens in der besten Zeit durch mar- 
morne Platten und Hohlziegel erwirkt, von welchen die ersteren an den 
zusammenstossenden Längsränciern so aufgekrempt gearbeitet waren, 
dass auch unter dem daraufgesetzten Hohlziegel weg kein Regenwasser 
eindringen konnte; die letzteren waren am First und Traufenende durch 
Palmettenkronen (Antefixa) geschmückt. Besonders ausgezeichnet war 
noch der "Giebel durch drei Zierden (Akroterien), welche auf besonderen 
Sockeln, am First und an den beiden Ecken aufgestellt wurden und 
Wohl auf einen alten vorderasiatischen Gebrauch zurückgehen. Den
        

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