Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617377
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Hellas. 
Diess geschah durch eine Doppelneuerung, mit welcher sich auch 
der Typus des hellenischen Tempels vollendete, nemlich durch die 
Ringsumführung der Säulenhalle (Peripteros) und die Durchführung 
des Steinbaues an der Stelle der Gebälkbildung in Holz. Es ist in hohem 
Grade wahrscheinlich, dass diese gewaltige Umwälzung gleichzeitig vor 
sich ging und alle hervorragenden Cultstätten umgestaltete, während 
die vorausgängigen Tempelformen, wie Antentempel, Prostylos und Am- 
phiprostylos, neben dem Peripteros nur noch in untergeordneter Uebung 
blieben und ebenfalls durchaus in Stein hergestellt wurden. Mit dem 
Ueberwiegen der decorativen äusseren Erscheinung über das Lirsprüng- 
liche constructive Wesen hatte auch die monumentale Bedeutung über 
das blos Zweckliche den Sieg davon getragen. Das Monument aber for- 
derte gleiche Solidität und, soweit überhaupt sichtbar, Gleichartigkeit 
und Gleichwerthigkeit in Bezug auf den Stoff. Deckbalken und Sparren 
verbargen sich hinter ihren vorgestellten Steinsymbolen, diese aber ge- 
Wannen in Bezug auf ihre Disposition eine von der Decken- und Dach- 
construction unabhängige Freiheit. Der vollständig durchgeführte Stein- 
bau machte es nöthig, die Abstände der tragenden Glieder zu vermin- 
dern und zunächst die Säulen, abgesehen von gesteigerter Gedrungen- 
heit, namhaft enger zu stellen, was bei bleibendem Holzgebälke, wie in 
Etrurien, überflüssig war. Das Steinkranzgesimse, welches bei grosser 
Schwere doch nicht die Höhe und somit Spannfähigkeit der Architrav- 
blöcke haben konnte, machte ferner eine weitere Zwischenstütze ZXVl- 
sehen den einzelnen Säulen, d. h. statt der Beschränkung der Trigly- 
phen auf die Säulenzahl eine weitere Triglyphe über jedem Interco- 
lumnium ebenso zuträglich, wie die dadurch ungefähr gleichwerdende 
Breite von Triglyphen und Metopen dem Auge eineifwohlgefalligeren 
Rhythmus darbieten musste. Die Metopen endlich brauchten, weil sie 
als Fenster ohne Bedeutung waren, nicht mehr geöffnet zu bleiben, wo- 
durch die bisherige Fessel in deren Locirung verschwand; ihr Schluss 
durch leichte Tafeln war auch für die einheitliche monumentale Wirkung 
und für die grossartige Wucht der Erscheinung des Ganzen nur von 
Vortheil. Doch kann man sich über die Pietät nur verwundern, mit 
welcher die traditionellen Formen im Einzelnen selbst bis in's Kleinste 
erhalten wurden, während man bestrebt war, ihnen eine wahrhaft künst_ 
lerisch stylisirte Gestaltung und jene Proportionen zu geben, welche so 
wesentlich dazu beitrugen, den dorischen Peripteros zum edelsten und 
vollendetsten Erzeugnisse der Architektur aller Zeiten zu machen. 
Können wir auch über den Zeitpunkt dieser Vollendung des helle- 
nischen Tempels keine lverlässige Auskunft geben, so steht doch so viel
        

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