Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617368
Architektur. 
Entwicklung des Tempelplrum. 
195 
auch in Vorderasien üblich war. Zweitens musste ein weiteres Gebälke- 
glied auftreten, um das verloren gegangene Wandauilager zu ersetzen, 
nemlich das Epistylion (Architrav). Es kann nicht geläugnet werden, 
dass diess möglicherweise schon früher vorhanden, aber man kann be- 
haupten, dass es nicht früher nöthig war. Drittens war durch die Thei- 
lung in Naos und Pronaos auch die Deckbalkenlegung eine andere ge- 
worden, indem man diese nur mehr im Naos selbst von einer Längs- 
wand zur andern, im Pronaos aber in der Längsrichtung des Ganzen, 
d. h. von den Säulen nach der Thürwand spannte. Diess gereichte ab- 
gesehen von der Zweckmässigkeit nicht blos der Deckenbildung der 
Vorhalle, sondern namentlich auch dem Gebälk in der Fronte zur we- 
sentlichen Verschönerung, indem sonst hier Architrav und Deckbalken 
einfach in derselben Richtung auf einander zu liegen gekommen wären, 
nun aber auch an der F ronte wie an den Langseiten der Triglyphenfries 
sich ergab, der sich sonach um die drei Seiten zog, jedoch nicht ohne 
an der Stelle zwischen dem vorderen Längswandende und der Ecksäule 
Schwierigkeiten zu bereiten. Denn hier kamen in einer sehr störenden 
Weise Epistyl und Vorhallendeckbalken ohne Metopenbildung in ihrer 
Länge aufeinander zu liegen, wogegen ein Ausweg betreten werden 
musste, der zum erstenmal das System zu Gunsten der äussern Er- 
scheinung zerriss. Man sah sich nemlich genöthigt, die äusseren Deck- 
balken der Vorhalle durch einfache Würfel über den Ecksäulen bezie- 
hungsweise der Ecke des Epistyls zu ersetzen, welche dann die fort- 
laufend gleichmässigc Abwechslung der Triglyphen und Metopen auf- 
recht hielten und die ersteren an den Ecken beiderseits herzustellen 
gestatteten. 
NVar man einmal soweit gegangen, so drängte die siegreiche Kraft 
einer harmonischen äusseren Erscheinung noch weiter. Der freistehende 
Tempel liess nemlich die todte Rückwand, welche an der ganzen Ge- 
bälk- und Giebelbildung keinen Antheil hatte, geradezu Llnerträglich 
erscheinen. Diese Schwierigkeit konnte auch kaum auf einem andern 
Wege gehoben werden, als durch die Wiederholung des Pronaos auf 
der Rückseite in Form einer Hinterhalle (Posticum), womit die Gebälk- 
bildung gleichartig um das Ganze gezogen und dieses als ein äusserlich 
fehlerfreies Ganze hingestellt ward (Amphiprostylos). je mehr 
man aber der äussern Erscheinung zu Gunsten änderte, desto mehr 
musste das Wesen des Ganzen in Stücke gehen. Man war an der äus- 
sersten Gränze der Concessionen angelangt: bei der ilächsteil Weiter- 
bildung löste sich die äussere Gebälkbehandlung ganz von der Con- 
struction, und wurde zum Ornament. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.