Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617312
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Hellas. 
renkopf, wodurch wieder die von so vielen Nägeln zu durchbohrende 
Stelle durch Verdoppelung der Verschalungsdiele mehr gefestigt schien. 
Dass aber diese Nägelköpfe im römischen Terminus nTropfeim heissen, 
darf uns nicht verleiten, darin in Rücksicht auf die Traufe gleichsam 
eine ornamentale Versteinerung der hängenden Regentropfen zu erken- 
nen. Eine solche Verherrlichung schlechten Wetters musste den an herr- 
lichen Himmel gewohnten Hellenen noch ferner liegen, als sie dem Nor- 
den läge und erscheint jedenfalls an einer primitiven Construction weit 
hergeholt. Die Nachahmung von Regentropfen wäre auch überdiess an 
keinem Orte unpassender gewesen, als gerade an der Unterfläche des 
Sparrengliedes, indem ja nur am vordern Rande Tropfen hängen konn- 
ten, an der schräg abwärts geneigten niemals nass werdenden Unter- 
fläche aber gar keinen Sinn hätten. Zudem muss auch noch an die Rinne 
gedacht werden, welche sich jedenfalls frühzeitig an den Traufenrand 
anlegte und den einzelnen Tropfenfall unmöglich machte. 
Wenn aber für diese ganze Bildung das Structive, T ektonische 
eines tirsprünglichen Holzbaues zu Grunde gelegt wurde, die ganze 
Naivetät eines sich erst aus den Anforderungen rohen Bedürfnisses zur 
höhern Gesittung herausarbeitenden Volkes, so soll damit nicht gesagt 
werden, dass dabei von vornherein gar kein anderer Gesichtspunkt zur 
Geltung kam, als die Zimmermannsregel. Im Gegentheil war es dabei 
zugleich, wie schon erwähnt, wesentlich auch auf den Schmuck abge- 
sehen, der jedoch fast ausschliessend aus dem Tektonischen und mit 
diesem im engsten Zusammenhange sich herausbildete. Statt also abzu- 
glätten und die Bauglieder ausgleichend zu verhüllen, war der Hellene 
schon von Anfang an bestrebt, dieselben vielmehr decorativ zu benutzen 
und dadurch noch deutlicher zu markiren. Auch die offen und leer 
bleibenden Theile wurden zweckmässig und zugleich geschmackvoll 
verwendet, und gewannen dadurch, wie wir diess noch aus "der späteren 
Behandlung schliessen dürfen, eine ebenso charakteristische wie unge- 
zwungene Bedeutung. Man stellte nemlich in den Metopen wie in dem 
Giebelfelde Weihegeschenke auf, welche dadurch einen ebenso geschütz- 
ten und sichern wie wirksamen Platz erhielten und die Bedeutung des 
Cultgebäudes recht anschaulich aussprachen. An den Kapellen, die klein 
und wohl gewöhnlich an der ostwärts angebrachten Fronte offen waren. 
konnte eine solche theilweise Beeinträchtigung der Fenster (Metopen) 
von keinem Nachtheile sein; das Giebelfeld der Fronte (Tympanonl 
aber, d. h. das Dreieck, welches durch den Deckbalken und die Sparren 
gebildet ward, musste ohnediess durch eine leichte Bretterwand ge- 
schlossen werden, um den Einblick in das Dachwerk zu verhindern,
        

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