Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617295
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Hellas. 
Fenstern, an irgend einer andern Stelle xiöthig gemacht haben. Trat 
diese Nöthigung für die an der Fronteseite vielleicht ganz offene Kapelle 
nicht ein, so war sie jedenfalls an andern Räumen vorhanden, und ich 
nehme nicht den geringsten Anstand, die beschriebene Deckenconstruc- 
tion auch an Palästen kurz als die allgemeine des europäischen Hellas 
zu bezeichnen. Denn die offenen Zwischenräume zwischen den Deck- 
balken müssen, wie schon erwähnt, auch im Saale des Königshauses zu 
Ithaka angenommen werden, wenn der besprochene Vergleich der 
Athene mit der vruhenden SChWEIllJCu verständlich und anschaulich wer- 
den soll. Und wenn man diese Oeffnungen Metopen (Fenster) nannte 
und überdiess den Griechen selbst in euripideischer Zeit (Iphig. in Taur. 
v. 113) die Vorstellung noch geläufig sein musste, dass man früher durch 
die Metopen in einen Raum hincinsteigen konnte, so sollte man glau- 
ben, dass über die Entwicklung und ursprüngliche Bedeutung der Me- 
topen kein Zweifel mehr bestehen könnte.  
War demnach die Maskirung der ganzen Deckenbalkenlinie nicht 
blos zwecklos, sondern sogar zweckwidrig, so lag es doch nahe, an den 
einzelnen Balkenenclen eine verschalende Zuthat anzubringen, die zu-' 
gleich schützen und schmücken sollte. Die Schnittfläche der Balken war 
nemlich unverschalt ebenso dem verhältnissmässig raschen Verderben 
ausgesetzt wie roh und hässlich, bot aber bei Anwendung irgend eines 
Sehutzmittels in diesem zugleich Gelegenheit zur Anbringung einer 
schlichten Decoration. Abgesehen von der letzteren musste es sich als 
die einfachste Abhilfe empfehlen, ein Dielenstück an die Schnittfläche zu 
heften, womit das Nothwendige erzielt war. Die schlichte Decoration 
hatte ihr Willkürliches und man mag sich diese am Königshause zu Ithaka 
vorstellen oder ganz wegdenken wie man will, gewiss ist, dass sich auch 
dafür schon in früher Zeit ein Zimmermannsgebrauch herstellte, der 
dann auch für alle Zukunft typisch blieb. Man schrägte nemlich der 
Holzfaserrichtting entsprechend die Kanten ab und riss mit dem Schnitz- 
messer diesen parallel noch zwei andere Furchen in die Tafel, die mit 
zwei Schnitten sich als prismatische Kerben gestalteten, und in ihrer 
Gestalt auch in der Steinnachbildung ebenso bestimmt auf das Holz- 
schnitzen hinwiesen, als sie auch das Einfachste sind, was in Schnitzwerk 
hergestellt werden konnte. Natürlich berücksichtigte man auch bei der 
Anheftung dieser Dielentafeln die Lage der Schnittflächen, die am we- 
nigsten ausgesetzt waren, wenn die eine obere ganz unter dem fortlau- 
fenden Bekrönungsleisten sich verbarg und die entgegengesetzte untere 
ebenfalls durch eine continuirliche Latte geschlossen ward, durch welche 
zugleich eine Verbindung des ganzen Deckenfrieses, wie auch eine Ver-
        

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