Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617261
Architektur 
Thürme  
Cultriiume. 
[Xclteste 
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Genügt aber auch das Material, von der Gestalt einer altgriechischen 
Hochstadt (Akropolis) mit ihrem kyklopischen engen Mauerring, ihrem 
gehöftartigen Königshause und den Grabdenkmalen vor den Thoren 
einige Vorstellung zu verschaffen, so fehlt uns doch zur Vervollständi_ 
gung des natürlich auf die allgemeinsten Züge und die hervorragenclsten 
Merkmale beschränkten Bildes eine Gebäudegattung, welche gleichwohl 
die Bestimmung hatte zum Ideal der Architektur nicht blos des Alter- 
thums, sondern aller Zeiten zu werden, nemlich der Tempel. Homer, 
der sonst seine Zeit mit so unvergleichlicher Wahrheit der Farbe schil- 
dert, macht es durch sein negativ beredtes Schweigen darüber unmög- 
lich, ihn als räumlich und künstlerisch bedeutend anzunehmen und auch 
die Trümmer von Tiryns und Mykene enthalten keine Spur von Säu- 
lenresten und Gebälkestticken. Dagegen fehlt es nicht an Andeutungen, 
dass die Cultbilder ohne weitere Zuthat auf Felsen, in Höhlen, an oder 
in heiligen Bäumen aufgestellt und vor denselben schlichte Altäre er- 
richtet waren, ja sogar dass auch ganz ohne Götterbild oder todtes Sym- 
bol der Cult sich lediglich an einen Hain oder eine andere von der Na- 
tur irgendwie ausgezeichnete Localität knüpfte, wie diess gerade mit 
dem Urgott der griechischen Mythe, mit dem dodonäischen Zeus, der 
Fall war. 
War jedoch ein gebauter Cultraum hergestellt, so beschränkte sich 
dieser in heroischer Zeit auf die Cella, eine rechteckige, Wahrscheinlich 
0bl_0nge bedeckte Kapelle als Mittelpunkt eines geweihten Areals (Te- 
menos). Diese ursprüngliche Form bleibt auch selbst in den entwickelt- 
sten Säulenbauten als zu Grunde liegender Kern erkennbar. Wenn von 
diesen Kapellen wenige Reste erhalten sind, kann uns diess nicht be- 
fremden, die wir von der gesammten Bauthätigkeit der germanischen 
Völker aus den ersten acht Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung 
nicht mehr Spuren besitzen. Die Culturentwicklung bringt es mit sich, 
ihre sich steigernden Leistungen nicht nebeneinander, sondern unter 
Verdrängung der altern übereinander zu setzen. Doch fehlt es keines- 
wegs gänzlich an solchen ursprünglichen Denkmälern. Mehre kammer- 
artige Reste unter kyklopisehen Ruinen, wie sie Dodwell (Views) und 
Stackelberg (La Grece) geben, dürften wohl am wahrscheinlichsten so 
zu erklären sein, wie auch namentlich eine von Thiersch (A. d. M. Ak 
1840) als Grab bezeichnete Ruine von Delos ganz einer säulenlosen 
Tempelcella entspricht. Ja es werden sogar die seit 1840 gemachten 
Ruinenfunde auf dem Berge Ocha und bei dem Dorfe Stura in Euböa 
nur von Wenigen als Tempel bezweifelt. Diese bestehen aber aus 
Cellen mit giebelförmiger Deckenbildung, welche ohne alles Holz-
        

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