Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617228
Archikektur. 
Burgmdüern. 
Thore. 
181" 
fachste Form, welche überhaupt möglich, erscheint die Verbindung von 
drei balkenartigen Steinen zu Pfosten und Sturz, wie sie denn auch in 
Mykene an zwei Beispielen (F ig. 115 und 116) auftritt. Diese Form führte, 
ausser der Unmöglichkeit die Pfosten in die Mauern einzubinden, die 
Schwierigkeit mit sich, dass dem Sturzblock, der trotz der Convergenz 
der Pfosten nach Innen z. B. am grössern Thor von Mykene eine Länge 
von 4, 3 M. hat und somit in beträchtlicher Spannung frei schwebt, 
ohne Gefahr des Berstens die massive Mauer oberhalb nicht ohne Wei- 
teres aufgebürdet werden durfte. Man wendete daher, wie diess schon 
an dem sog. Atreus-Schatzhaus beschrieben worden ist und wie wir es 
in Aegypten mehr als tausend Jahre vorher selbst in der Pyramidenzeit 
angewandt gefunden haben, über dem Sturzblock das Entlastungsver- 
fahren vermittelst eines dreieckigen Loches an, das durch die von den 
Mauerenden her beiderseits vertretenden Quaderlagen gebildet war. 
Allein damit wurde der Verschluss theilweise aufgehoben und die forti- 
hcatorische Bedeutung des Mauerringes so empfindlich geschwächt, dass 
es einer theilweisen Aushilfe dringend bedurfte. Diese wurde auch durch 
die Einfügung einer oder zweier Platten gewonnen, welche zwar auf dem 
Sturz verhältnissmässig leicht lasteten, aber dafür an sich nicht zurei- 
chend scheinen konnten, schwerem Wurfgeschoss oder dem Sturmbock 
Widerstand zu leisten. Daher suchte man den Angriff auf diese schwache 
Stelle durch moralische Mittel abzulenken, indem man ihr durch An- 
bringung eines abwehrenden heiligen Bildwerkes, das nun in einem 
Gorgoneion oder in Anderem bestehen konnte, eine gewisse Weiheform 
gab  ein Mittel, das wir für jene religiös erwärmten Zeiten als höchst 
wirksam betrachten dürfen, in welchen man noch vor einem geringen 
Frevel gegen die Gottheit mehr zurückschreckte, als vor der blutigsten 
Gewaltthätigkeit gegen einen Menschen. Ein solches Bildwerk ist denn 
auch an dem nach ihm genannten und schon von Pausanias erwähnten 
Löwenthore erhalten, über dessen plastische Stellung im Abschnitt über 
die hellenische Bildnerei des Näheren gehandelt werden soll, das indess 
durch die Säule für die älteste Tektonik von Hellas nicht von der Be- 
deutung ist, wie man früher angenommen hat. Wir finden nemlich hier 
eine weniger säulen- als stelenartige Stütze auf oder hinter einem altar- 
artigen Unterbau, statt der Verjüngung nach oben vielmehr an Stärke 
zunehmend und mit mehr spielend deeorativem Capitäl und weiterem 
Aufsatz bekrönt, die jedoch kaum eine frühere hellenische Säule und 
als Theil statt des Ganzen symbolisch einen Palast repräsentirt, sondern 
vermuthlich, wie diess neuerlich Bötticher gezeigt, ein Gorgoneion trug, 
wodurch alle zum Theil sehr erkünstelten allegorischen Deutungen fallen.
        

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