Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617197
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Hellas. 
angebracht waren. Diese selbst aber, namentlich die beiden des Hektor 
und Achill, erreichten eine bedeutende Grösse, und waren von der See 
aus weithin sichtbar. Einfach aus Erde oder Steinen aufgeschüttet und 
im Uebrigen schmucklos wurden sie, wie diess Homer Wenigstens von 
den Tumuli des Ilos, Sarpedon und Elpenor ausdrücklich angibt, an 
der Spitze von einem säulenartigen Denkstein überragt, welcher an die 
phallischen Zierden auf den lydischen Tumuli erinnert. Ob die Bäume, 
welche später den Grabhügel des Protesilaos vor Troja oder den des 
Alkmäon in Arkadien schmückten, ursprünglich und diesen Hügeln von 
Haus aus charakteristisch waren, ist zu bezweifeln; denn die Baumpfian- 
zung am Tumulusgrabe des Augustus in Rom lässt sich als besondere 
Liebhaberei des Erbauers erklären. Dass aber diese Hügel, wie die ly- 
dischen und etrurischen, zum Theil auf einen cylindrischen Basament- 
ring gehoben waren, geht aus der Notiz des Pausanias über den Grab- 
tumulus des Aepytus zu Pheneos in Arkadien und aus einem noch er- 
haltenen Unterbau auf der Insel Syme hervor, eines spätern Restes zu 
Cyrene und eines wohlerhaltenen, steinverkleideten Tumulus sehr be- 
deutender Dimensionen, der als einige Tagereisen von Algier befindlich 
auch karthagisch oder römisch sein kann, nicht zu gedenken. 
Der Tumulus mit oder ohne entwickelten Innenraum, mit oder 
ohne Basamentring scheint sonach in den frühesten Zeiten die gebräuch- 
lichste Gräberform für hervorragende Persönlichkeiten gewesen zu sein. 
Doch fehlt es auch nicht, wenngleich in mehr vereinzelter-Weise, an einer 
andern nicht von Asien, sondern von Aegypten entlehnten Form, nem- 
lich an Pyramiden. Eine solche, von Pausanias zwischen Argos und Epi- 
daurus liegend beschrieben, ist nach Curtius noch im Grundbau in dem 
bescheidenen Maasse von wenig mehr als 12 M. in der Axenlinie übrig, 
während eine zweite bei Kenchreae zwischen Argos und Tegea noch bes- 
sere Erhaltung zeigt (F ig. 113). Ihr oblonger Grundplan, 14,5 M. in 
der Länge, und nicht volle 12 M. in der Breite messend, ist an einer 
Ecke etwas eingeschnitten und bildet hier einen spitzgeschlossenen Zu- 
gang zu den zwei -jetzt unbedeckten Räumen des Innern. Sie scheinen 
Polyandrien (gemeinsame Bestattungsräume für Gefallene und zugleich 
Siegesdenkmale) gewesen zu sein, welche Bestimmung wir auch für 
zwei andere Pyramidalreste, welche Curtius und Ross in Lakonien und 
bei Lessa nachgewiesen, voraussetzen dürfen. Hatten aber die Griechen 
sonach weder asiatische noch ägyptische Formen für diese Denkmäler 
verschmäht, so strebten sie doch durch Herstellung grosser Innenräume 
frühzeitig nach Zielen, welche dem despotischen Asien wie Aegypten ferne 
lagen. nemlich nach Material- wie Arbeitersparung und Raumgewinn.
        

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